Samstag, 20. Dezember 2014

Die Stadt Düsseldorf setzt auf konservative Familienmodelle


Die Stadt Düsseldorf verteilt eine Broschüre mit dem ansprechenden Titel "Scheidung, was tun? Tipps fuer eine faire Trennung", die es übrigens auch online als Download gibt. Herausgeber ist das Gleichstellungsbüro der Landeshauptstadt. Deswegen wird auch gleich auf S. 6 betont, dass "die Hinweise und Tipps dieser Broschüre nicht verstanden werden [dürfen], als würden sie nur für Frauen gelten" - ein Satz, den eine Gleichstellungsbeauftragte eigentlich nie schreiben müsste, wenn der Auftrag ernstgenommen würde: Das sollte selbstverständlich sein!

So ganz kann man sich bei der Lektüre jedoch nicht dem Verdacht trennen, dass dort vieles aus der Perspektive der Ehefrau beschrieben wird und der Ehemann schnell "der Böse" ist. Auch wenn Fakten dahinter stehen mögen, so macht doch der Ton die Musik und in den Muster-Beispielen schreibt immer nur eine "Frau Klar" an ihrem Mann "Franz", um ihre Trennung und ihre Folgeansprüche durchsetzen zu können. Das Ganze wirkt dadurch eher wie eine Checkliste für Frauen, die ihren Ehegefängnis entfliehen wollen.

Ganz klar: "fair" bedeutet in Düsseldorf in erster Linie "Fairness für Frauen"

Ihren eigenen Anspruch auf geschlechtsspezifische Ausgewogenheit, gibt die Broschüre auf S. 46 auf. War man zuvor bemüht, männliche und weibliche Anreden sprachlich doppelt auszuführen, wechselt die Ansprache ganz offen in Richtung ausschliesslich weibliche Leserschaft: "Sie und Ihr Ehemann müssen die Entscheidungen für die Kinder gemeinsam treffen. Sprechen Sie also mit Ihrem Ehemann."

Auf S. 53 steigt man dann in die Tiefen von der Familienbilder der 50er Jahres des vorherigen Jahrhunderts hinab: "Niemand käme auf die Idee, den Kochherd oder die Waschmine als Eigentum der Frau zu bezeichnen, weil der Ehemann in der Nähe dieser Gegenstände noch nie gesehen wurde."

Hallo? Ausgewogenheit, wo bist Du?

Warum schreibt man sowas? Weil man es Kern für korrekt und richtig hält. Das wirft kein gutes Licht auf dem Gleichstelung in Landeshauptstadt.

Noch dunkler wird es, wenn man(n) per E-Mail seine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringt. Ich muss zugeben, dass ich schnell Antwort erhielt. Der Tenor war jedoch: Man verstehe das Problem nicht, die Broschüre sei äußerst beliebt und man sehe keine Notwendigkeit zu Änderungen.

Das war der Punkt, an dem ich dachte, dass ich nun darüber schreiben werde.

Geschickt hätte sich das Gleichstellungsbüro mit vagen und schwammigen Zusagen aus der Affaire ziehen können und ich hätte die Sache kopfschüttteld auf sich beruhend lassen. Da hätte man antworten können: "Vielen Dank für diese Hinweise. Diese Punkte sind uns bisher in dieser Weise noch nicht aufgefallen. Bei einer etwaigigen Neuauflage, werden wir uns bemühen, ggf. textliche Anpassungen vorzunehmen." Das heißt dasselbe wie die tatsächliche Antwort - nämlich: "Was einzelne Bürger unserer Stadt denken, ist uns eigentlich total egal." - wäre nur dipolmatischer verpackt gewesen.


Es mag auch sein, dass statistisch gesehen, eher Frauen unter den Folgen von Trennungen und Scheidungen zu leiden haben, aber dann kann man ja Broschüren für Frauen produzieren und verteilen. Für verlassene Ehemänner reicht vermutlich auch eine Liste von Eckkneipen, in denen man anschreiben lassen kann, sowie ein aktueller Bordellführer. Da muss man sich im Vorwort keine Gleichstellungslippenbekenntnisse abringen. Ausßerdem ist Gleichstellung ein Individualgrundrecht, bei dem nicht nach Mehrheiten entschieden wird.

Falls die Stadt Düsseldorf nach vergleichbare Formulierungen für andere Borschüren sucht, da kann ich gerne was beisteuern, das der Geiteshaltung der Landeshautptstadt NRWs entspreichen müsste.

Für die nächste Ausbildungsbroschüre:
"Niemand käme auf die Idee, die Bohrmaschine oder das Auto als die Domaine des Mannes zu bezeichnen, nur weil Frauen in der Nähe dieser Gegenstände noch nie gesehen wurden."

Für den Flyer der Ausländerbehörde:
"Niemand käme auf die Idee, Universtitäten und Fachhochschulen als Einrichtunen für Deutsche zu bezeichnen, nur weil Ausländer in der Nähe dieser Gebäude noch nie gesehen wurden."

Welche Vorschläge habt ihr?

Einfach kommentieren oder unter #helpdus twittern.

Samstag, 29. November 2014

Ab jetzt: Alles App


 
Es ist der Klassiker: Wenn etwas alles können soll, dann kann es nichts richtig gut. Das Schweizer Taschenmesser für alle Eventualitäten des Lebens würde in keine Hosentasche passen. Holistische, allumfassende Lösungen sind keine, sondern lösen sich auf: Unter dem Druck allem, was hineingestopft wird, verflüssigt sich der Kern, verlieren sich Strukturen, das Konstrukt wird instabil und kollabiert.
 
Das könnte mit Facebook passieren - mit AOL und T-Online ist es bereits passiert. In die selbe Kerbe schlägt auch die These der "Implosion Facebooks" von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, die seit Anfang 2014 diskutiert wird. Nico Lumma widerspricht dem Vergleich vehement: "Facebook wird nicht implodieren, denn Facebook erfindet sich täglich immer wieder ein Stück weit neu."
 
Ich finde, streng genommen widersprechen sich die beiden Positionen nicht: Wenn Facebook sich nicht verändert, wird es implodieren - aber da es sich ständig verändert, wird es nicht luftleer in sich zusammensacken wie eine leckgeschlagene Hüpfburg. Passt also beides! Es ist ein bisschen so wie in der "Unendlichen Geschichte" von Micheal Ende: So lange es Atréju / Bastian schaffen immer einen Schritt schneller zu sein als das "Nichts", werden sie nicht verschlungen.

Es muss nicht immer Facebook sein - das gleiche gilt für Unternehmens-Websites. Das mögliche Schicksal der 'Großen' droht auch in kleineren Maßstäben: Komplexe Strukturen einer komplexen Organisation auf einer Plattform abzubilden und dabei allen (berechtigten) Ansprüchen gerecht werden, wird immer weniger gelingen.

Planungsrunden zur Optimierung des Online-Auftritts eines Konzerns haben inzwischen den Umfang und die Dauer unbemannter Mars-Missionen. Kaum jemand ist in der Lage, eine dafür notwendige Makro-Strategie zu entwickeln. Und so kommt's wie im echten Leben: Schießt der Stürmer am Tor vorbei, dann zieht er sich erstmal die Stutzen hoch und wird das öffentliche Chaos unübersichtlich, beginnen Polizisten damit, den Verkehr zu regeln. Wo die Überforderungen beginnt, setzt auch das Mikro-Management ein. Bei komplexen Webprojekten ist die Lösung schnell gefunden und schon stellt jemand im Projekt-Meeting die Frage: "Können wir diesen Aspekt nicht mit einer App abbilden?"

So verkehrt ist das nicht: Die Entwicklung einer modernen App ist der Entwicklung ist eine ähnlich anspruchsvolle Aufgabe wie die Entwicklung einer ganzen Website vor zehn oder fünfzehn Jahren. Ferner entspricht die Logik der Verwendung von Apps auch unseren alltäglichen Nutzungsmustern, die wir von Smartphones und Tabletts gewohnt sind: Für jede spezifische Aufgabe gibt es eine spezifische App als Lösung.
 
Wir wollen unsere gelaufenen Kilometer zählen? Dafür gibt es eine App. Wir wollen die aktuellen Fußball-Tabellen? Dafür gibt es eine App. Wir brauchen eine Bus-Verbindung? Auch dafür gibt es eine App. Wir wollen etwas Spezifisches von einem Unternehmen wissen? Wir müssen uns durch eine vollgestopfte Website mit schlechter Suchmaschine wühlen und verstehen lernen, nach welchen Regeln die Verantwortlichen die Inhalte ausgewählt und strukturiert haben. Ein klares 'don't like'.
 
Die Alternative zu der schwerer zu beherrschenden ‚inneren Artenvielfalt‘ kann aber auch nicht eine ‚äußere Einfältigkeit‘ sein: „One size fits all“ bedeutet, dass das T-Shirt bei einem hauteng aufträgt und beim anderen schlabbert.
 
In der Frühzeit des TVs war es undenkbar, dass es irgendwann einmal ähnlich viele TV-Sender geben würde, wie es zu der Zeit Zeitungen gab. Zeitungen sollten und durften als Tendenz-Betriebe eigene Meinungen haben und Position beziehen, denn durch die Vielzahl der Zeitungen war sichergestellt, dass der Auftrag der Meinungsbildung im Mittel durch sie alle gemeinsam ausgewogen vertreten würde. Das nannte man - vor dem großen Zeitungssterben - Außenpluralismus. Der TV-Sendebetrieb war vormals so komplex, dass dieser nur durch Anstalten des öffentlichen Rechts übernommen werden konnte. Es gab so wenig Fernsehsender, dass ein Außenpluralismus etwaige Tendenzen hätte nicht ausgleichen können. Man erfand daraufhin den Binnenpluralismus - paritätisch besetzte Fernsehräte, die in internen Schlachten für Ausgewogenheit sorgen sollten.
 
Vor zehn oder 15 Jahren war die Situation im Internet ähnlich: Das Web-Business war neu, Domains waren teuer und auf einer gemeinsamen Website sollten möglichst alle Ansprüche der Organisation angemessen berücksichtigt werden. Die Steuerung von Online-Projekten orientierte sich am Binnenpluralismus der Organisation. So wie es inzwischen unzählige TV Sender gibt und auch im privat-wirtschafltichen Sendebetrieb die Regeln Wettbewerbs bzw. des Außenpluralismus gelten, so kann dank Social Media und Software as a Service kann jeder Empfänger zum Sender werden: Vielleicht ist es Zeit, das unbewegliche Tankschiff der komplexen Organisations-Website zu einer Flotte von wendigen Schnellbooten umzubauen und die Web-Kommunikation der Organisation auf Außenpluralismus umzustellen! Holistische Strukturen sollten zu Gunsten leistungsfähiger, spezialisierter, kleinerer Fragmente aufgegeben werden: Ab jetzt wird alles App!

Sonntag, 21. September 2014

Blogparade: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit

Die meisten Ideen kommen spontan: So auch diese! Im Online-Magazin "Medium" las ich beim Sonntags-Frühstück den Beitrag von Thomas Pleil zum "Abschied von der gedruckten Zeitung". Darin erzählt er wie eines seiner ersten selbstgeschossenen Fotos in die Lokalzeitung kam - ein Schlüsselerlebnis seiner Kindheit in Bezug auf den Zeitungsjournalismus. Ich denke, wir alle, die wir etwas mit Medien machen, hatten solche Zeitungs-Erlebnisse. Lasst uns im Augenblick das Abschieds diese Momente des ersten prägenden Kontaktes sammeln - als dankbare Anerkenung Verbeugung vor dieser aussterbenden Gattung.

Hier sammele ich die Beiträge:

Svenja, Flo, Tobias, Selina und Kersten von der Agentur "quäntchen + glück": Blogparade: Das Zeitungserlebnis meiner Kindheit (06.11.2014)

Stefan Balázs: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit - Vom Neben- zum Hauptdasteller (21.09.14)

Wer mitmachen will: Einfach loslegen, Link mailen oder mit #KindheitsZeitung vertwittern.

Ich bin gespannt und freue mich auf euren Beitrag.

Blogparade: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit - Vom Neben- zum Hauptdasteller

Lustig eine Blogparade loszutreten ist das eine - den eigenen Beitrag dafür zu liefern das andere. Das Thema Zeitung fand ich schon immer spannend und mein Lebensweg kam immer wieder mit der Presse in Berührung.

Die erste Begegnung mit namentlicher Nennung erfolgte im Sommer 1976: Als siebenjährige "Glücksgöttin" zog ich die Gewinner des Sommer-Rätsels meiner heimatlichen Kleinstadt. Dafür gab's vom Bürgermeister nachher ein "Was-ist-was"-Buch ("Urzeit-Tiere" - das mit dem Säbelzahntiger vorne drauf) zur Belohnung. Der Hauptgewinner bekam ein Fahrrad und viele Kinder andere Schallplatten-Gutscheine. Erst jetzt beim Lesen der Gewinnerliste ist mir aufgefallen, dass drei der damalig Gezogenen später auf dem Gymnasium meine Klassenkameraden wurden - das sollte ich denen mal im Nachgang erzählen!


1976: Das erste Mal in der Zeitung
Aber eigentlich war ich damals nur eine "Nebenfigur". Im Orwell Jahr 1984 - also acht Jahre später - hatte ich es zum "Hauptdarsteller" einer Zeitungsmeldung geschafft: In einem Schüler-Wettbewerb der niedersächischen Landesregierung hatte ich eine Berlin-Flug gewonnen.

Bemerkenswert ist, dass sowohl in der Überschrift als auch im Fließtext mein Nachname falsch geschrieben wurde. Und fast noch bemerkenswerter: In der Bildunterschrift wird der Familienname in einer anderen Variation falsch geschrieben. Das zeigt, dass sich niemand darum gekümmert bzw. dafür interessiert hat. Qualitätsjournalismus war schon immer ein Mythos.

Nun will ich nicht 30 Jahre später deswegen die beleidigte Leberwurst spielen. Es geht mir viel mehr um ein zetrales Schlüsselerlebnis, das ich mit dem Erscheinen des Artikels und der damit verbundenen, zeitlich begrenzten Bekanntheit im Kleinstädtchen verbinde: Es war meine erste konstruktivistische Medien-Erfahrung.


1984: Als "Hauptpreisträger" in der Zeitung
Der Artikel beschreibt eigentlich, wofür es die Preise der niedersächsichen Landesregierung gab: Beim Wettbewerb "Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" waren die Schüler des Landes aufgerufen, Aufsätze, Bilder, Wandzeitungen etc. zum Themenfeld einzureichen. Man konnte aber auch einen dösigen Multiple-Choice-Fragebogen ankreuzen.

Was der Artikel jedoch nicht sagt, ist wofür "Stefan Balksz" als "einer der Hauptpreisträger" seinen Hauptpreis erhalten hat. Was meint ihr? Für einen persönlichen, emotionalen Aufsatz über meine Großmutter, die aus Wien stammend den Großteil ihres Lebens in Ungarn verbrachte? Für eine Kohlezeichnung, die die Spaltung Europas aufs Dramatischste versinnbildlichte? Oder für eine Wandzeitung, die die Wirtschaftzahlens des damaligen Warschauer Paktes mit Westeuropa verglich? Oder bin ich unter den 7866 Preisauschreiben-Teilnehmer einfach nur ausgelost wurden? Vielleicht von einer anderen männlichen Glücksfee?

Diese Informationslücke ließ konstruktivistischen Erklärungsmustern in meinem damaligen Umfeld ausreichend Raum. Wenn meine Eltern angesprochen wurden, haben sie meine Leistung ähnlich nebulös belassen wie in dem Artikel. Es ist schon interessant, was einem die Menschen alles so zutrauen.

Und noch etwas habe ich beim Stöbern in den alten Zeitungsausschnitten gelernt: Es ist höchste Zeit diese alle mal einzuscannen, bevor der Zahn der Zeit síe gänzlich aufnagt.

Samstag, 6. September 2014

Historische Social Media Daten: Der Papst twittert ein Bild (05.09.14)

Ich bin konservativ und mag es nicht, wenn mein Weltbild durcheinander gerät - besonders nicht in Fragen der Religion. Ich bin lutherischer Protestant und ich folge dem Papst auf Twitter - das hat was mit gesunder Marktbeobachtung zu tun. Zumeist konnte man dort nur - aus meiner rein persönlichen Sicht - eher nur sinn- und zweckentleerte Sinnsprüche lesen, die mit ihrem Allerweltscharakter zeit- und bezugslos waren und eigentlich gut in die Kategorie 'Kalendersprüche' passten. Ein Beispiel gefällig?


Wobei ich fairerweise sagen muss, dass dies nicht ganz stimmt: Ich habe noch mal nachgesehen und musste feststellen, dass es durchaus auch aktuelle Bezüge zu Reisen und zum Weltgeschehen gibt. Dieser Papst ist eben auch auf Twitter politischer als sein Vorgänger.

Dieser hat mit dem Gezwitscher am 28. Juni 2011 angefangen - sicher ein wahrhaftig historisches Social Media Datum, das man sich merken muss:

Alles so weit, so gut. 418 reine Text-Tweets hat das gesegnete Duo seit dem her abgesetzt. Aber Tweet Nr. 419 ist ganz anders, denn Tweet Nr. 419 hat ein Bild!


Warum jetzt? Warum dieses Bild? Es wirkt ein bisschen arg komponiert und hat diese ungewöhnliche Tiefenschäfe. Und was noch wichtiger ist: Werden wir von nun an mehr Bilder sehen? Und was werden dies für Bilder sein? Wann kommt das erste Selfie beim Angelus?

Wie gesagt: Ich mag keine Veränderungen - aber von nun an, wird es nichts mehr so sein wie zuvor im digitalen Vatikanstaat. Ich werde das weiter beobachten!

Mittwoch, 20. August 2014

Ich mache mir Sorgen: DHL ist fremdgesteuert

Über Packstationen kann ich mich vortrefflich aufregen. Vermutlich weil die Idee gut gedacht, aber leider auch schlecht gemacht ist: Es läuft noch nicht rund und funktioniert oft nicht.

Jüngst ist mir wieder die Hutschnur geplatzt! Das lag weniger daran, dass das Paket wieder einmal mehr an den Absender zurückgeschickt wurde (das steht auch in AGBs, dass die Sendungen nach dem Ablauf der Lagerungsfrist den Packstationen wieder entnommen werden), sondern an der Informations- und Auskunftspolitik der Servicestellen.

Klar, war es nicht so pfiffig kurz vor einem einwöchigen Urlaub noch etwas bei Amazon zu bestellen. Ich wusste also, dass es mit der Abholung der Sendung aus der Packstation knapp werden könnte. Um so mehr freute ich mich, als ich 10. August 2014 eine SMS von DHL erhielt, dass das Paket noch zwei Tage in der Station zur Abholung liege - das konnte ich schaffen. Zwei Tage, dass sind 48 Stunden.

Der SMS-Beweis
Als ich am 12. August früh morgens versuchte, die Bestellung dem gelben Schrank zu entnehmen, passierte nichts - außer, dass nach drei Fehlversuchen meine Karte gesperrt wurde. Die Hotline konnte mir schnell erklären, was passiert ist: Das Paket wurde nach Ende der Lagerungsfrist am 11. August 2014 gegen 11 Uhr entnommen und an den Absender zurückgeschickt - also nach 24 Stunden nach Eingang der Info-SMS und 24 Stunden vor Ablauf der dort genannten Frist.

Es entspann sich in etwa folgender Dialog mit dem Hotline-Mitarbeiter. der hier als Gedächtnisprotokoll wiedergegeben wird:

(Ich) Aber in der SMS von Ihnen stand, dass das Paket noch zwei Tage in der Station liegen würde.

(DHL) Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die SMS nicht von uns ist. Wir schicken Ihnen keine SMS.

(Ich) Aber der Absender wird als DHL aufgelöst und nennt sich auch so.

(DHL) Ja, aber das kommt nicht von uns, dass kommt aus dem System.

(Ich) Aber das ist doch IHR System und damit kommt die SMS von Ihnen.

(DHL) Wir können da nichts beeinflussen. Das System arbeitet automatisch.

(Ich) Aber jemand hat dann das System falsch eingestellt, wenn es falsche SMS schickt. "Das System" ist doch nicht gottgegeben. Sie sind dem doch nicht wehrlos ausgeliefert.

(DHL) Sie verstehen das nicht: Wir können gegen das System nichts machen.

(Ich) Das ist ja entsetzlich. Können Sie gegen die Maschinenherrschaft nicht aufbegehren und sich Ihre Menschenwürde zurück erkämpfen?

(DHL) ???

(Ich) Es kann doch nicht sein, dass sich niemand gegen "das System" wehren kann?!

(DHL) Ich kann nur sagen, dass Sie keine SMS von uns bekommen haben.

usw. usf.

Aber: Wer ist dieses "System"? War es schon von Anbeginn der Zeit da? Warum kann niemand etwas dagegen tun? Oder Einfluss darauf ausüben? Müssen wir uns Sorgen um die Deutsche Post und ihrem DHL Service machen, weil sie wie Marionetten von einem virtuellen, übergeordneten "System" gesteuert werden?

Ich mache mir Sorgen!

Mittwoch, 9. April 2014

Schaltet doch einfach eure Handys ab, ihr Spacken!

Heute morgen sah ich von der S-Bahn aus eines der aktuellen Plakatmotive von "Brot für die Welt". "Weniger ist leer" steht darauf und natürlich soll man sofort "Wengier ist mehr" assoziieren und an den Trendsport 'Verzicht' denken, der aller Orten immer beliebter wird.

Quelle: http://pfalz.brot-fuer-die-welt.de/gemeindebrief-lueckenfueller-bilder/grafiken-bilder-plakate.html
Hat bei mir wunderbar funktioniert: "Technikfasten" kam mir als erstes in den Sinn - einmal nicht sofort zum Handy greifen, wenn es summt, brummt oder vibriert, den Computer und den Fernseher einfach mal auslassen. Das kann jeder, so lange er sein reflexartiges Verhalten noch unter Kontrolle hat.

Einige können aber offensichtlich schon nicht mehr anders und sind bereit, sich für viel Geld ihre Nicht-Erreichbarkeit teuer zu erkaufen. Derart die Kontrolle über seine Zeit und sein Leben verloren zu haben, macht den größten Manager zur armseeligsten Wurst! Anstatt stolz zu sein, ein Resort gefunden zu haben, in dem man für viel Geld wenig telefonieren darf ist traurig anstatt toll.

"Luxese" - die Zusammenziehung von Luxus und Askese - könnte hier das passende Schlagwort sein. Der Trend, den 'Die Welt' 2009 entdeckt hat, stand bereits im Jahr 2000 in der Berliner Zeitung. Eigentlich bezeichnet er das Phänomen mit dem Billigflieger zum Luxushotel zu jetten, um die Kostenstrukturen einer Reise zu optimieren.

Ich möchte mir unter 'Luxus-Askese' lieber vorstellen, dass irgendwelche gestressten, wichtigen Management-Menschen Tausende von Euros bezahlen um endlich einmal ganz 'natürlich' auf einer harten Holzpritsche in einer Laubhütte schlafen zu können. Diesen Business-Kaspern würde ich gerne zurufen: "Dann könnt ihr auch auf meinen Balkon kommen! Dort werdet ihr perfekt entschleunigt. Das Handy nehme ich euch ab und schalte es aus. Die Tausende von Euros können wir für bessere Dinge ausgeben." - Womit wir wieder beim Auslöser dieser Überlegungen wären.

Freitag, 24. Januar 2014

Restaurant "Schote" bezieht Stellung

"Urban Legends" sind Untote: Als Wiederkehrer können sie uns an allen Orten zu jeder Zeit anfallen - so richig sicher darf sich niemand fühlen. Mit ein bisschen Nachdenken und unter Zuhilfenahme von Internet-Suchmaschinen lässt sich aber jede moderne Wandersage leicht entkräften. Dennoch halten sich diese "FOAF tales" hartnäckig.

Was ist dran und wie geht man als Betroffener damit um? Das wollte ich genau wissen und habe daher im Nelson Müllers Restaurant "Schote" in Essen-Rüttenscheid nachgefragt, dem immer wieder nachgesagt wird, Gästen wegen Tellertauschens Hausverbot zu erteilen. Der Restaurantleiter Dennis Zerbe hat geantwortet.


Es tauchen immer wieder Geschichten auf, dass Gäste des "Restaurants Schote" beim Verlassen eine Zettel mit dem Hinweis "Bitte beehren Sie uns nie wieder" erhalten hätten. Insbesondere, weil sie Teller zum Probieren der Gerichte getauscht hätten. Ist da was dran?

Dennis Zerbe: Es liegt in unserem Interesse, nein, es ist ein tiefes Bedürfnis, zu dieser Mär etwas Fundiertes beizutragen. Zunächst möchten wir zu 100% festhalten und mit Bestimmtheit sagen, dass solche Karten, ähnliche Hinweise oder annährend formulierte Dareichungen noch nie in unserem Hause verteilt wurden!!!
 
Aber Tellertauschen gefällt Ihnen sicher nicht. "Übersehen" Sie solch ein Verhalten bei Gästen oder wird dies angesprochen?
 
Dennis Zerbe: Tellertauschen? Wissen Sie, der Gast schafft sich doch seine eigene Atmosphäre, und er steht im Fokus jedes Tun und Handelns. Und viele Philosophien von Dienstleistern, egal welcher Branche, ist doch, den Kunden/Gast ein wenig nach-Hause-Stimmung zu vermitteln. Die Gastronomie, die einen hohen Anspruch an sich hat, hat mit dem Klischee zu kämpfen, elitär und steif zu sein. Allerdings ist die Regel eine andere. Lockerheit, gepaart mit Know-how und Empathie. Diese Ambition haben wir. Gemeinsam genießen macht doch mehr Spaß, und man kann diskutieren. Im Zeitalter, in dem manche Gespräche vielleicht ins Stocken geraten, doch eine willkommene Abwechslung. Insofern wird ein Tellertausch bei uns zu 100 % nicht registriert.
 
Wäre es denkbar, dass ein Restaurant, Besuchern, die nicht zur Kernzielgruppe gehören, empfehlen nicht wieder zu kommen? Und wie würde man dies mitteilen?
 
Dennis Zerbe: Die Restaurantdienstleistung hat im Vergleich zu allen anderen Serviceberufen mit Sicherheit eine Ausnahmestellung. Dies bedeutet, man kann pauschal 99% aller Dienstleistungsbranchen miteinander vergleichen, das 1% welches übrig bleibt, nämlich das Restaurantwesen, wird mit ganz anderen Augen betrachtet, und so wird auch dementsprechend versucht, mit Fingerspitzengefühl zu agieren. Die sternegekrönten Restaurants nehmen Jahr für Jahr immens zu. Meinen Sie wirklich, da kann man es sich erlauben, eine gewisse Zielgruppe nicht ansprechen zu wollen, so lange mit Gastgebern respekt- und niveauvoll umgegangen wird?! Nein. Wir würden natürlich einem Gast mitteilen, wenn er andere Gäste und /oder uns durch eine gewisse Lautstärke und Niveauabfall in der Sprache belästigt, eine Stufe runterzufahren. Die Kernzielgruppe ist doch ganz einfach erläutert: Menschen, die gerne genießen. Menschen, die Gesellschaft mögen. Menschen, die sich durch eine gewisse charmante Gastfreundschaft umsorgt fühlen möchten.
 
Wie gehen Sie mit solchen rufschädigenden Legenden-Bildungen um? Gehören diese zum Geschäftsrisiko oder versuchen Sie aufzuklären?

Dazu erhalten wir eine Vielzahl von Emails. Zwischenzeitlich gab es diesbezüglich auch Anrufe, oder wir wurden persönlich im Restaurant darauf angesprochen. Egal wie wir damit konfrontiert werden, geben wir folgenden kleinen Aufsatz mit:

Skandal: "Bitte beehren Sie uns nicht wieder!"

Unglaubliche Geschichtenklingen häufig einfach zu gut, um erfunden zu sein.
Kennen Sie die Geschichte von George Turklebaum? Der Mann mit dem lustigen Namen war Angestellter in einem New Yorker Lektorat. Seit mehr als dreizig Jahren hatte er tagtäglich Bücher, Dokumente und Artikel korrigiert. Er war stets der erste, der ins Büro kam, und der letzte, der ging. An einem Montag erlitt George einen Herzanfall und starb, ohne dass einer seiner dreiundzwanzig Kollegen dies bemerkte. Erst fünf Tage später entdeckte eine Putzfrau den leblosen Mann in seinem Drehstuhl. Die britische Times, der Guardian, die Daily Mail und der BBC – sie alle berichteten über den einsamen Tod von George Turklebaum. Haben Sie wirklich noch nie von dieser Geschichte gehört?

Wenn doch, dann gibt es etwas Anderes, dass Sie vielleicht nicht wissen: Der Mann hat nie gelebt. Seine Geschichte vom unbemerkten Tod ist frei erfunden. Sie ist das klassische Beispiel einer Großstadtlegende. Diese "Urban Legends" - wie man sie auch nennt - werden in der Regel wie alle Sagen, Mythen und Märchen von Mund zu Mund und jedes Mal ein bisschen bunter weitererzählt. Nur äußerst selten allerdings, so eben im Fall von George Turklebaum, tragen namhafte Medien zu ihrer glaubwürdigen Verbreitung bei.

Eine der nachhaltigsten Großstadtlegenden hat ihren Ursprung in der Spitzengastronomie. Ich selbst habe sie schon oft gehört, aber noch nie darüber gelesen. Die deutsche Erstversion, die mir vor vielen, vielen Jahren zu Ohren kam, drehte sich um Schloss Lerbach und Dieter Müller. Zugetragen wurde mir dieselbe Geschichte dann später über Heinz Winkler, Jean-Claude Bourgeuil, Helmut Thieltges, Hans Haas und Klaus Erfort, um nur einige zu nennen. Sie endete immer mit einem Hausverbot nach einem Restaurantbesuch, für das die Gründe stets variierten. Mal wurde es ausgesprochen, weil nicht alle Gäste am Tisch ein Menü gegessen hatten, ein anderes Mal, weil nur Wasser, aber kein Wein bestellt worden war oder weil ein Gast vom Teller des anderen probiert hatte.

Jeder, der mir diese Geschichte erzählte, verbürgte sich für die unbedingte Glaubwürdigkeit seiner Quelle. Stets war es einem alten Bekannten oder gar einem Verwandten widerfahren, dass ihm zum Wechselgeld der beglichenen Rechnung ein Kärtchen mit der unmissverständlichen Mitteilung „Bitte beehren Sie uns nicht wieder“ serviert worden war. Das Wörtchen "nicht" doppelt oder gar dreimal unterstrichen - je nachdem, ob es sich beim strafenden Patron um einen Zwei- oder Drei-Sterne-Koch handelte.

Auch Fernsehkoch Johann Lafer, so wurde kolportiert, überreicht diese Aufforderung zur Rechnung; allerdings - ein delikates Detail! - im goldenen Umschlag. Und derzeit hochaktuell flüstert sich die Geschichte mit neuer Facette zum unternehmerisch erfolgreichsten Koch des Landes durch unsere kulinarische Klatschzone: Ein guter Bekannter ging mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar zur Feier seines fünfzigsten Geburtstages zu Alfons Schuhbeck in die Südtiroler Stuben am Münchener Platzl. Nach freundlichem Empfang und Aushändigung der Speisekarten fragte er nach, ob er nicht eine Empfehlung vom Chefkoch bekommen könne. Sehr wohl, der Herr, stand bald darauf Schuhbeck persönlich am Tisch. Die Gäste waren sich rasch einig und folgten dessen Empfehlung.

Bei einem der servierten Gänge griff die Frau mit der Gabel auf den Teller ihres Mannes, um etwas zu probieren. Dies gefiel dem Maître ganz und gar nicht. Er kam an den Tisch und ermahnte die Leute, dass man so etwas in einem feinen Restaurant nicht tue! Am Schluss, als die Rechnung kam, bemerkte der Mann erstaunt, dass die Beratung des Chefkochs unter "Empfehlung" mit 65 Euro berechnet worden war. Er fragte nach, man diskutierte, er akzeptierte am Ende. Dann verließen die Gäste das Restaurant, begleitet vom Maître, der dem Mann an der Tür einen Brief übergab. Der Inhalt: Man bedankte sich für den Besuch und bat die Gäste, nicht mehr wiederzukommen, weil sie für das Restaurant zu wenig Stil hätten.

"Don’t come back card" - so heißt in den USA das Pendant zur deutschen "Bitte beehren Sie uns nicht wieder"-Aufforderung. Man vermutet, dass sie in den 1950er Jahren ihre Geburtsstunde hatte. Erstmalig tauchte sie in Gesprächen über das Restaurant Canlis in Seattle auf, das noch heute, sechzig Jahre später, eine hoch exklusive Adresse für Fine Dining ist. Aber obwohl Peter Canlis ebenso wie seine Erben eine Belohnung von tausend Dollar demjenigen versprochen haben, der eine solche Karte bringt, hat sich bis heute niemand gemeldet. Die böse Botschaft bleibt unsichtbar wie das Ungeheuer von Loch Ness.

Die Moral: Sollte Ihnen jemand von einem Restaurant berichten, in dem ihm die
Sache mit der "Don’t come back card" widerfahren sei, können Sie eines glauben: Dieses Restaurant hat sich die höchste Form der Anerkennung verdient.


Als Untermalung dieser Mär möchten wir darauf hinweisen, dass vor wenigen Wochen eine eigens einberufene Pressekonferenz in Osnabrück organisiert wurde. Initiator dieser war Thomas Bühner, 3***- Koch im Restaurant La Vie. Er musste diesen aktiven Weg gehen, weil Ihm aufgrund zahlreicher Gast-Konfrontationen mit dieser angeblichen Karte eine Rufschädigung entstand, und er Ihm ein Gast sogar - nur aufgrund "ich habe gehört" - gerichtliche Schritte androhte.



 

Donnerstag, 16. Januar 2014

Urban Legends: Schoten über die "Schote" - aber nicht zum Lachen

Ich bekenne mich schuldig. Dabei hätte ich etwas ahnen sollen: Ich habe mit großer Begeisterung alle Bücher von Rolf Wilhelm Brednich gelesen
  • Die Spinne in der Yucca-Palme
  • Das Huhn mit dem Gipsbein
  • Die Ratte am Strohhalm
  • Die Maus im Jumbo-Jet
  • Der Goldfisch beim Tierarzt
  • Pinguine in Rückenlage
und trotzdem habe ich mich für einen Augenblick anfixen lassen, obwohl ich es hätte wissen müssen. Also bekenne ich mich schuldig, sorge nun aber auch für Aufklärung. Wir alle sind dafür empfänglich, das zu glauben, was uns gefällt.

Im Kollegenkreis unterhielten wir uns neulich über Restaurants in Essen. Dabei kommt man schnell auf das Restaurant "Schote", das Stammhaus Nelson Müllers als eine der besseren Adressen der Ruhr-Stadt. Schon fielen die Schlagworte "teuer", "elitär" und "unfreundlich". Man sei ja selber noch nicht dort gewesen, aber Freunde von Bekannten, die dort neulich waren, hätten beim Verlassen des Restaurants einen Zettel mit dem Hinweis "Beehren Sie uns nicht wieder" erhalten. Und das, nachdem sie die hohe Rechnung auch noch durch ein üppiges Trinkgeld aufgerundet hätten. Und warum das Ganze? Sie hätten ihre Teller getauscht, um von den treuen Luxusgerichten jeweils probieren zu können und somit gegen die Hausordnung des Sterne-Restaraurants verstoßen.

Die klassische Konstruktion eines "FOAF tale" - Geschichten, die dem Freund eines Freundes passierten - da hätte man schon hellhörig werden müssen. Spontan sagte ich aber: "Ich will diesen Zettel!" Und überhaupt: Wenn es diese Zettel gibt, warum hat man ihn dann noch nicht in keinem der üblichen Social Networks gesehen? Die Leute "instagrammen" doch heutzutage alles...

Aber offensichtlich fiel diese Geschichte bei mir auf fruchtbaren Boden, der mit eigenen Erfahrungen ausreichend gedüngt war. Im Rahmen des jährlichen Restaurant-Karusells in Essen war ich vor Jahren auch zum mehrgängigen Menü im Restaurant "Schote". Die Idee dahinter ist, dass die Restaurants der Stadt vergünstigte Menüs zum Kennenlernen ihrer Küchenkunst anbieten. In anderen Städten heißt das anders, funktioniert aber genauso.

Es war also sehr viel günstiger als sonst, aber gefühlt immer noch recht teuer. Vielleicht setzt eine Art Stigmatisierung ein: Man weiß, nicht zum üblichen Publikum zu gehören und schon fühlt man sich latent beobachtet und ein Stückchen oberflächlicher behandelt, ohne das dies den Tatsachen entsprechen muss. Tatsache hingegen war, irgendwas mit dem Nachtisch nicht ganz stimmte: Wir waren der Meinung, dass etwas das laut Karte hätte "halbgefroren" sein sollen auf unser eher noch sehr "tiefgefroren" wirkte und irgendwo ein Stückchen Papier (von einer Arbeitsunterlage) klebte, was da sicher nicht hingehörte.

Diese Erinnerungen ließen mich reflexartig auf die Geschichte anspringen. Sofort fragte ich bei Twitter, wer unter meinen Followern diese Geschichte auch gehört hätte und erhielt prompt eine latente Bestätigung - zumindest keine Zurückweisung: 
Schnell gegoogelt, wird weiteres Öl ins Feuer gegossen: Auf lokalkompass.de wird dieselbe Anekdote zum Besten gegeben - wobei die antwortenden Kommentare bereits auf das Land der Legenden verweisen.

Und schnell verdichten sich die Spuren die auf moderne Märchen-Dichtung deuten:
Damit könnte man die Beweisführung abschließen - und ich hatte mich ja auch bereits gleich von Anfang an "schuldig" im Sinne der Anklage bekannt.

Aber da "der Fall" der mit dem Restaurant "Schote" begonnen hatte, sollte er auch mit einer Stellungnahme des Hauses fallabschließend ad acta gelegt werden.

Um so mehr freue mich, dass ich von Denis Zerbe, dem Restaurantleiter, auf meine Interviewanfrage eine ausführliche und umfangreiche (und sehr freundliche) Rückmeldung bekommen habe, die ich hier auch veröfffentlich darf. Und ich kann euch sagen, dass die Mitarbeiter des Restaurant "Schote", solche Geschichten keineswegs für 'Schoten' halten, denn darüber können Köche schon lange nicht mehr lachen. Das ist aber eine weitere Geschichte...

Fortsetzung folgt...