Donnerstag, 16. Januar 2014

Urban Legends: Schoten über die "Schote" - aber nicht zum Lachen

Ich bekenne mich schuldig. Dabei hätte ich etwas ahnen sollen: Ich habe mit großer Begeisterung alle Bücher von Rolf Wilhelm Brednich gelesen
  • Die Spinne in der Yucca-Palme
  • Das Huhn mit dem Gipsbein
  • Die Ratte am Strohhalm
  • Die Maus im Jumbo-Jet
  • Der Goldfisch beim Tierarzt
  • Pinguine in Rückenlage
und trotzdem habe ich mich für einen Augenblick anfixen lassen, obwohl ich es hätte wissen müssen. Also bekenne ich mich schuldig, sorge nun aber auch für Aufklärung. Wir alle sind dafür empfänglich, das zu glauben, was uns gefällt.

Im Kollegenkreis unterhielten wir uns neulich über Restaurants in Essen. Dabei kommt man schnell auf das Restaurant "Schote", das Stammhaus Nelson Müllers als eine der besseren Adressen der Ruhr-Stadt. Schon fielen die Schlagworte "teuer", "elitär" und "unfreundlich". Man sei ja selber noch nicht dort gewesen, aber Freunde von Bekannten, die dort neulich waren, hätten beim Verlassen des Restaurants einen Zettel mit dem Hinweis "Beehren Sie uns nicht wieder" erhalten. Und das, nachdem sie die hohe Rechnung auch noch durch ein üppiges Trinkgeld aufgerundet hätten. Und warum das Ganze? Sie hätten ihre Teller getauscht, um von den treuen Luxusgerichten jeweils probieren zu können und somit gegen die Hausordnung des Sterne-Restaraurants verstoßen.

Die klassische Konstruktion eines "FOAF tale" - Geschichten, die dem Freund eines Freundes passierten - da hätte man schon hellhörig werden müssen. Spontan sagte ich aber: "Ich will diesen Zettel!" Und überhaupt: Wenn es diese Zettel gibt, warum hat man ihn dann noch nicht in keinem der üblichen Social Networks gesehen? Die Leute "instagrammen" doch heutzutage alles...

Aber offensichtlich fiel diese Geschichte bei mir auf fruchtbaren Boden, der mit eigenen Erfahrungen ausreichend gedüngt war. Im Rahmen des jährlichen Restaurant-Karusells in Essen war ich vor Jahren auch zum mehrgängigen Menü im Restaurant "Schote". Die Idee dahinter ist, dass die Restaurants der Stadt vergünstigte Menüs zum Kennenlernen ihrer Küchenkunst anbieten. In anderen Städten heißt das anders, funktioniert aber genauso.

Es war also sehr viel günstiger als sonst, aber gefühlt immer noch recht teuer. Vielleicht setzt eine Art Stigmatisierung ein: Man weiß, nicht zum üblichen Publikum zu gehören und schon fühlt man sich latent beobachtet und ein Stückchen oberflächlicher behandelt, ohne das dies den Tatsachen entsprechen muss. Tatsache hingegen war, irgendwas mit dem Nachtisch nicht ganz stimmte: Wir waren der Meinung, dass etwas das laut Karte hätte "halbgefroren" sein sollen auf unser eher noch sehr "tiefgefroren" wirkte und irgendwo ein Stückchen Papier (von einer Arbeitsunterlage) klebte, was da sicher nicht hingehörte.

Diese Erinnerungen ließen mich reflexartig auf die Geschichte anspringen. Sofort fragte ich bei Twitter, wer unter meinen Followern diese Geschichte auch gehört hätte und erhielt prompt eine latente Bestätigung - zumindest keine Zurückweisung: 
Schnell gegoogelt, wird weiteres Öl ins Feuer gegossen: Auf lokalkompass.de wird dieselbe Anekdote zum Besten gegeben - wobei die antwortenden Kommentare bereits auf das Land der Legenden verweisen.

Und schnell verdichten sich die Spuren die auf moderne Märchen-Dichtung deuten:
Damit könnte man die Beweisführung abschließen - und ich hatte mich ja auch bereits gleich von Anfang an "schuldig" im Sinne der Anklage bekannt.

Aber da "der Fall" der mit dem Restaurant "Schote" begonnen hatte, sollte er auch mit einer Stellungnahme des Hauses fallabschließend ad acta gelegt werden.

Um so mehr freue mich, dass ich von Denis Zerbe, dem Restaurantleiter, auf meine Interviewanfrage eine ausführliche und umfangreiche (und sehr freundliche) Rückmeldung bekommen habe, die ich hier auch veröfffentlich darf. Und ich kann euch sagen, dass die Mitarbeiter des Restaurant "Schote", solche Geschichten keineswegs für 'Schoten' halten, denn darüber können Köche schon lange nicht mehr lachen. Das ist aber eine weitere Geschichte...

Fortsetzung folgt...

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