Freitag, 28. Dezember 2012

Blogparade: Die Zukunft der Online PR ist bunt

Die Diskussion um die Zukunft der Online-PR ist gekennzeichnet durch eine geradezu babylonische Bergriffsverwirrung. Um so dankbarer kann man Ed Wohlfahrt sein, der es mit seinem Aufruf zur "Blogparade Zukunft OnlinePR" geschafft hat, dass sich ein paar Leute aktuell ein bisschen strukturierter und andere eher pragmatisch mit einem meiner immer wiederkehrenden Lieblingsthemen ("Berufsbild Online-PR") auseinandersetzen. Das ist gut so, denn Diskussion und Austausch hilft fast immer.

Dominik Ruisinger ist in soweit zuzustimmen, dass nur die Technik aus den Inhalten der Public Relations Online Public Relations machen - aber in Bezug auf die Frage der Entwicklung und möglichen Emanzipation einer Disziplin kann der Weg nicht das alleinige Ziel sein. Auch das Aufzoomen der Perspektive in Richtung einer gesamtheitlichen "Online-Kommunikation" wie es Thomas Pleil vorschlägt, mag für die Zukunft der Online PR vermutlich tatsächlich zentral werden, aber gegenwärtig hilft es wenig einen Begriff zu erfassen, in dem man einen ganzen Sack voll neuer Begriffe dazu wirft.

Pleils Plädoyer "verbinden statt trennen" kann damit im ersten Schritt nicht gefolgt werden. Die Juristen haben uns bezüglich des Gleichheitsgrundsatzes eine recht brauchbare Formel überlassen, die auch außerhalb der Juristerei ganz hilfreich sein kann: Danach verlange der Gleichheitsgrundsatz, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt werden solle.

Für die Begriffseingrenzung bei der Online PR bedeutet dies, dass Verbindendes integrierend und Trennendes seperieren wirken sollte. Es kann nicht bedeuten, dass man ähnlich Wirkendes bedenkenlos vermanschen und dabei alle Unterschiede ignorieren solllte. Nur weil Technik oder Modus der Kommunikation vergleichbar sind, müssen sich daraus noch keine Gemeinsamkeiten ergeben - Abb. 1 versucht das an einem kleinen Ausschnitt aus dem Begriffsdschungel zu verdeutlichen.


Ich würde sagen, dass es sich bei allen Ausprägungen um "Kommunikation" handelt und allein über die "Technik" differenziert, wären Social Media durchaus Aktivitäten der PR im Rahmen der Online-PR, jedoch über ihren "Modus" als Dialog wären sie eher dem Kundenmanagement zuzusprechen. Bereits hier zeigt sich eine Menge Zündstoff für weitere Diskussionen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die berufliche Praxis keine 'chirugischen Schnitte' dieser Art kennt und stattdessen eine Art 'kontrollierende Drittvariable' ins Spiel kommt, die sich aus dem Thema ergibt. Kommen die Themen aus dem Umfeld der Organisations-Kommunikation macht es sicher Sinn, dass die PR Abteilung diese dann auch in Social Media Kanälen weiter betreut. Geht es um Produkte und Dienstleistungen, dann muss das Marketing ran und wenn es um Bewerber geht, kommen sogar noch Abteilungen zum Zuge, die eigentlich im Kern gar nicht der Kommunikation zugerechnet wurden.

Soviel steht zumindes fest: Online PR hat eine Zukunft und diese Zukunft ist bunt!

Dienstag, 11. Dezember 2012

Internet einfach nicht verstanden

Manchmal denke ich, ich müsste auswanden. Man sollte zwar meinen, dass ein World Wide Web überall das selbe wäre und es daher egal wäre, wo man sich in der Welt aufhält, aber dem ist nicht so. Die Deutschen bzw. die deutsche Politik haben das Internet nie verstanden. Das zeigt sich an einer Reihe wirrer und irriger Gesetzgebungsvorhaben bzw. Verordnungen wie zum Beispiel die Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrechten und GEZ-Rundfunkgebühren für die Internet-Nutzung.

Diese Dinge empfinde ich als regelrecht beschämend. Aber Auswandern ist keine Lösung, wenn man sieht, dass andere Major-Player der Online-Champignonsleague Internet scheinbar auch nicht verstanden haben. Vorneweg der Online-Buchhändler aus Seattle und der grüne Kaffeeriese aus der selben Stadt, der das passende Getränk für die "Generation Internet" anbietet.

Starbucks hat es nun auch endlich geschafft in Deutschland ein Vieltrinker-Programm mit Rabattierungen anzubieten - etwas, worauf die Kaffee-Jünger schon lange gewartet haben und was sich bei den hohen Preisen als Instrument der Kundenbindung auch wie von selbst anbieten sollte. "My Starbucks Rewards" läuft trotz seines international klingenden Namens nur in Deutschland - was ich bei einer international operierenden Kette nur als "Fail" bezeichnen kann.

Wir reisen gerne und wir wissen in diesem Zuge Globalisierung zu schätzen, wenn wir in London, Tokyo, New York und Düsseldorf den gleichen Kaffee bekommen können. Wenn wir unterwegs sind, kehren wir auch häufiger in den Filialen mit der weißen Sirene im grünen Logo ein. Aber Sternchen gibt es nur in Deutschland - andere Länder haben andere Programme. Das ist blöd und Starbucks sollte aus seiner weltweiten Aufstellung Marktvorteile ziehen.

Das habe ich denen auch geschrieben - aber geantwortet haben sie natürlich nicht:


Das hat jetzt erstmal nicht unbedingt was mit dem Internet zu tun, führt mich aber direkt zu dem anderen Unternehmen aus Seattle, das Globalisierung trotz weltweit marktbeherrschender Stellung auch nicht verstanden hat: Online kann ich bei Amazon Deutschland und Amazon USA bestellen, beide rechnen mit mir ab und beide senden mir ihre Waren. Dafür braucht man aber zwei Online-Konten bei identischen Unternehmen - eines bei amazon.com und eines bei amazon.de. Beide haben bei mir das selbe Login und das selbe Passwort, aber Amazon schafft es nicht (oder will es nicht? oder darf es mich?) mich als einen Kunden mit einer Wunschliste, einer Bestell-Historie und einer Kindle-Verwaltung zu führen. Das nervt und das ist für mich ein klarer Fall von "Internet einfach nicht verstanden". Und wenn diese Art der doppelten Haushaltsführung einen zwingenden Grund haben sollte, dann sollte der klarer kommuniziert werden.

Nachtrag (03. Januar 2013):

Inzwischen habe ich von Starbucks eine Rückmeldung bekommen. Ich möchte diese natürlich niemanden vorenthalten, denn es gibt offensichtlich trifftige Gründe, warum die "Starbucks Rewards" Programm nur deutschlandweit angeboten wird. Es gehört zur gegebenen Fairness, nicht einfach nur auf andere draufzuhauen, sondern sie mit Erklärungen zu Wort kommen zu lassen:

"Aufgrund bankenrechtlicher Bestimmungen ist ein Einsatz der Starbucks Card aus Deutschland nur in Coffee Houses möglich, die von der Starbucks Coffee Deutschland GmbH betrieben werden. Dies verhindert dann in der Konsequenz auch das Sammeln von Sternen außerhalb der Grenzen Deutschlands."

Schade, aber dann eben nicht "hausgemacht".

Samstag, 17. November 2012

BarCamps sind was für Leute, die nichts zu tun haben

Mein erster Rant...

Ich wollte schon immer mal einen Rant schreiben - und nun ist es so weit! Also nicht persönlich nehmen - etwaige Überschwänglichkeiten und verbale Kraftmeierei sind nur dem Fromat geschuldet.

Ich werde niemals ein BarCamp besuchen! Nicht, weil es mich nicht interessieren würde oder ich nicht wollte, sondern ganz einfach, weil man mich nicht teilnehmen lässst. "Das stimmt aber so nicht", rufen die Verteidiger des Veranstaltungsmodells: "Jeder, der sich anmeldet, kann kommen und niemand muss sich für die Anmeldung qualifizieren." Und das stimmt auch leider so!

Es zählt einfach nur Schnelligkeit - wie bei der Formel 1 oder im Sommerschlussverkauf, wenn es den noch gebe. Der Ticketverkauf beginnt zu phantasievollen Zeiten und ist in der Regel nach zwei bis drei Minuten schon wieder erledigt. Bekommt man so das Publikum, dass man dort treffen möchte? Ich denke, bestenfalls trifft man dort auf niedliche Nerds, die mit ausgeklügelten Alert-Systemen sicherstellen, dass sie rechtzeitig zur Öffnung des winzigen Zeitfensters für den Wiedereintritt in die BarCamp-Atmosphäre am Computer sitzen. Ansonsten, vermute ich, sind dort nur Menschen, die nichts zu tun haben, sich langweiligen, keinen Beruf oder kein Leben haben. Wer sonst könnte sicherstellen, dass er oder sie exakt um 15 Uhr, wenn die erste Tranche Tickets für Sekundenbruchteile online erklickbar sind.

Das sind ja nur alles Vermutungen - denn ich war ja noch nie dabei! Und wenn ich mich irren sollte: Wie macht ihr anderen das mit der Anmeldung? Verlegt ihr Termine? Unterbrecht ihr Besprechungen? Verschiebt ihr Dienstreisen? Legt am Telefon kommentarlos auf? Oder bezahlt ihr einfach jemanden dafür, der euch sekundengenau eine Eintrittskarte online schießen kann? Letzteres überlege ich mir gerade: Strohmänner und -frauen als Sockenpuppen zum Ticketkauf... - könnte auch ein Geschäftsmodell werden.

Ich weiß: Man kann ja auch so hingehen, weil nie alle kommen, die sich eine Eintrittskarte gekauft haben. Aber ich möchte keine Almosen und oder will mich von den Blogger-Brosamen ernähren, die diese vom Tisch purzeln lassen. Außerdem kenne ich mein Glück: Wenn ich auf Verdacht anreise, sind ausnahmsweise tatsächlich mal alle gekommen, die sich angemeldet hatten. Ich habe auch das Gefühl, dass es eher um einen Sammeltrieb und den kurzen Triumpf des frisch erlegten Hirsches geht: "Seht nur: Ich twittere, dass ich ein Ticket für dieses oder jenes begehrtes BarCamp bekommen habe - keine Ahnung, ob ich da überhaupt hin will oder hinkomme, aber ich kann dabei sein und Du nicht!" Verstanden.

Jedenfalls haben BarCamps deswegen inzwischen schon stark ihre Anziehungskraft auf mich verloren. Trefft euch ruhig dort, lacht, habt Spaß satt und twittert darüber pausenlos - ich kick euch dann einfach aus meiner Timeline, damit das Salz nicht so brennt in den Wunden.

Freitag, 27. Juli 2012

Berufsbild Social Media: Ein- und Abgrenzungen

Die Überlegungen zur Berufsfeldforschung in den Bereichen Online Kommunikation und Social Media basieren auf einem Kurz-Exposé für eine Dissertation, die dann doch nicht begonnen wurde. Es wäre schade, wenn die Ansätze deswegen verstauben würden. Ich habe sie unter CC-Lizenz gestellt, damit sie weiter verwendet werden können.

Aus gegebenen Anlass wurde das Thema "Berufsbild" bei mir wieder völlig unvermittelt und aus anderem ganz anderem Zusammenhang aktuell: Unsere Putzfrau fragte mich, was ich eigentlich arbeite. Meine gescheiterten Erklärungsversuche thematisierte ich auf Twitter.

Schon wieder war ein neues Projekt geboren. Was ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Man strickte auch an ganz anderer Seite daran: Der Bundesverband Bundesverband Community Management e.V. für digitale Kommunikation & Social Media - oder kürzer: BVCM -, der mir bis dato unbekannt war, hatte am 19. Juli 2012 in seinem Blog den Vorschlag von fünf Berufsfelddefinitionen zur Diskussion vorgestellt. Und da bei Twitter nichts unentdeckt bleibt, wurden wir gleich zu dieser Diskussion eingeladen.

Dazu muss man erstmal durchlesen, was auf dem Tisch liegt - und zugegeben: Es sieht eher nach Fleißarbeit, als nach einem systematischen Zugang aus. Es wurde einer Übersicht der Tätigkeiten erstellt und diese verschiedenen Berufsbildern in unterschiedlichen Abstufungen zugewiesen. Solche induktiven Vorgehensweisen bergen auch ein gewisses Risiko: Drei kleine Jungs setzen sich zusammen, um festzustellen, welche Spielzeuge es alles gibt. Sie werfen alles, was sie haben in die Mitte, fassen gleichartige Dinge zu Gruppen zusammen und zählen dann aus. Es gibt kleine Autos, es gibt große Autos, es gibt Sachen, die was mit Eisenbahn zu tun haben, Kuscheltiere und Fußbälle. Von Puppen, Kinderwagen und Prinzessinnen-Hüte werden sie auf diese Weise nie etwas erfahren.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Die Initiative ist gut und notwendig! - aber ob sie jedoch in diesem Rahmen zielführend ist, da bin ich mir nicht so sicher.

Ich will auch erklären warum und steige damit in die Diskussion ein: Wenn man einen Gegenstand definieren will, helfen grundsätzlich Eingrenzungen auf Dimensionen, die betrachtet und bewertet werden sollen, so wie Abgrenzungen zu anderen Begriffen, für die es schon definitorische Ansätze gibt. Bereits diesen ersten Schritt vermisse ich beim BVCM Ansatz bzw. erkenne ihn nicht, weil er vielleicht nicht ausreichend dokumentiert wurde.

Wirft man einen Blick in die kommunikationswissenschaftliche Literatur zum Thema Berufsfeld, stellt man fest, dass es schon einiges an Forschungsbestand zu Kommunikationsberufen gibt. Am intensivsten durchleuchtet dürfte dabei der Beruf der Journalisten sein: Wir wissen, wer sie sind, was sie gelernt haben, wie ihre Karrieren verliefen und wie sie arbeiten. Gute Ansätze und groß angelegte Studien gibt es auch für den Bereich Public Relations.


Obwohl es zwischen den beiden Berufsfeldern klare, vor allem funktionale Abgrenzungen gibt, sind zum Beispiel die Arbeitsmethoden nicht so trennscharf. Mit einer reinen Tätigkeitsliste in der Hand ließe sich nicht immer mit absoluter Sicherheit sagen, ob es mit einem Journalisten oder PR Arbeiter zu tun hätten. Es kommt also auch immer auf die Dimension an, wie ausgeprägt die differenzierenden Merkmale sein können. Im vorliegenden Fall mag das vielleicht ein bisschen konstruiert sein, denn der Journalist wird vermutllich eher die Pressekonferenz besuchen, die der PR Kollege vorbereitet hat... - aber es ging ja ums Prinzip.

So verhält es sich auch mit vielen von BVCM aufgelisteten Tätigkeiten eines "Junior Community Managers", eines "Senior Community Managers", eines "Junior Social Media Manager", eines "Senior Social Media Managers" oder eins "Social Media Consultants". Vieles - insbesondere auch von den Fach- und Medienkompetenzen - ließe sich auch auf Online-Journalisten, Online-PR oder Online-Marketing ungefiltert übertragen.


Womit wir wieder in der Diskussion um Trennendes und Verbindendes sind. Was in der ganz zentralen Frage mündet, ob "Junior Community Managers", "Senior Community Managers", "Junior Social Media Manager", "Senior Social Media Managers" oder "Social Media Consultants" überhaupt eigene Berufsbilder sind. Sie könnten ja auch ein Teil der Online-PR sein. An den Aufgaben und Kompetenzen lässt sich nur geringfügig eine Unterscheidung festmachen. Gibt es diese funktional? Spontan sehe ich das nicht...

Aber: Das wird Folgen haben! Was nichts anderes heisst, als das die Diskussion erst begonnen hat und ich mich auf den konstruktiven Schlagabtausch freue.

Fortsetzung folgt...


Creative Commons License
Berufsbild Social Media by Stefan Balázs is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License.
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Freitag, 25. Mai 2012

Überlebensstrategie für Social Media: Web 2.0 muss offline relevant werden

Web 2.0 liegt im Sterben. Das haben noch nicht viele mitbekommen, denn dank lebenserhaltender Maßnahmen, lässt die Herz-Lungen-Maschine den Corpus noch rosig erscheinen.

Aber niemand muss traurig sein, denn das Web 2.0 - dessen Abgrenzung vom Internet schon immer ein wenig konstruiert wirkte - wird integraler Bestandteil des Webs und der Online-Kommunikation bleiben. Der Dialog auf Augenhöhe war schon immer Teil der Netz-Philosophie - nun ist er einfacher geworden und morgen wird er selbstverständlich sein, so dass er keine Abgrenzung oder kein eigenes Etikett mehr benötigt.

Aber es scheint, dass die einzigen, die das noch nicht mitbekommen haben, die Social Media aktive Netz-Cemeinde ist. Sie hüpfen in ihrer künstlichen Luftblase herum und merken gar nicht, dass sie den Sauerstoff veratmen und die Luft um sie herum dünner wird. Man hat den Eindruck, dass man sich in Social Media am liebsten über Social Media unterhält. Und ich unterstütze gerne die Abschlussarbeit, die diese schon lange gehegte These empirisch belegt.

Bei diesem ausgeprägten Selbstbezug, droht die Luftblase den Anschluss an die Wirklichkeit zu verlieren, denn ein selbstreferenzielles System ohne verankernden Bezug zu anderen Systemen dreht irgendwann leer.

Es zeichnet sich aber auch ein Gegentrend ab: Social Media Projekte werden zusehends aus ihrer Virtualität heraus in die Realität verlängert. Die RWE AG versucht es auf ihrer diesjährigen Hauptversammlung mit realer Twitterwand und lässt die Aktionäre mit Post-it Beiträgen in den Dialog mit dem Internetnutzern treten, auf der re:publica 12 wird der Twitter-Stream zum Nachlesen ausgedruckt und damit Wände tapeziert und C&A Brasilien lässt die Facebook-Likes an ausgewählten Kleidungsstücken in den Stores hochzählen.

Offline Twittern auf der Hauptversammlung der RWE AG
Meine Prognose: In 2012 / 2013 werden wir noch mehr von solchen Projekten sehen. Denn wenn Web 2.0 in der realen Alltagswellt Fuß fasst, es schafft, dort relevant zu sein, bewegt es sich in Richtung Daseinsberechtigung und erhöht seine Überlebenschancen.

Content is king - Le roi est mort, vive le roi

Nachtrag:
Bei diesem Thema bietet es sich an, weitere Beispiele zu sammeln, wenn sie einem unter die Finger bzw. die Maus geraten:
 

Mittwoch, 2. Mai 2012

Fünf nüchterne Thesen zur Zukunft von Social Media: "Is' alles gar nich' so wild"

Der alljährliche wiederkehrende Hype um die aktuell wieder einmal stattfindende re:publica und die eher lustlose Diskussion um die "10 Thesen zur Zukunft von Social Media" des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. machen Lust am Thesen-Getöse mitzuwirken.

Also - Tataaa! - hier ist nun mein Diskussionsbeitrag zur Versachlichung mit der klaren Botschaft: "Is' alles gar nich' so wild" oder: "Das Leben geht weiter..."


These 1:
Es geht nicht nur um Social Media.

Wenn man Social Media Kanäle so mitliest, erkennt man recht schnell, dass es in Social Media nur um Social Media geht. Das Ganze ist recht selbstreferenziell. Sicher: Es sind schon verdammt viele Menschen mit dabei, aber auch wenn es die Hälfte sein sollte, so bedeutet dies, dass die andere Hälfte eben noch nicht dabei ist. Und auch wenn wir alle diese phantastischen, neuen Kanäle nutzen, muss das auch noch nicht heißen, dass wir ausschließlich darin agieren wollen. Vielleicht wollen wir via Twitter auch nur die Adresse eines Ladenlokals erfragen, um dort hinzufahren oder die Rufnummer eines Sachbearbeiters erfahren, um mit ihm zu telefonieren.

Es wird künftig eher um das Zusammenspiel von Web 2.0, Web 1.0 und Offline gehen als um neue soziale Gimmicks gehen. Kommunikation wird auch weiterhin nur im 360-Grad-Rundumschlag wirklich erfolgreich sein.

Auch wenn wir Social Media affinen Menschen Social Media ganz toll und ganz aufregend finden: Es gibt noch ein Offline-Leben und das ist verdammt klasse! Einfach mal in den Wald gehen und Wald-Geruch einatmen oder im Zoo versuchen, die Affen nachzumachen. Oder einfach mal ein Bierchen trinken und nicht darüber twittern müssen - früher ging das doch auch.


These 2:
Der Mensch ist nicht genug.

Irgendwann hieß es mal, die Deutschen wären in 1,4 Social Communities aktiv. Das heißt: Eine nutzen sie richtig (vermutlich: Facebook) und in einer anderen haben sie sich mal angemeldet (vermutlich: keine Ahnung mehr). Ich höre auch immer häufiger, dass Freunden und Kollegen einfach die Zeit fehle, sich immer in all den Kanälen zu tummeln und umzusehen.

Die menschliche Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit reicht nicht aus. Wir brauchen digitale Extensionen, die weit über unsere Mobiltelefone hinausgehen müssten. Aber wir könnten uns schon gar nicht all die Passwörter merken, aber wir wollen auch nicht, dass Google oder Microsoft das für uns übernimmt. Das führt auch so gnadenloser Mehrfachverwertung von immer spärlicheren Inhalten: Das Gezwitscher kann bei Facebook nachgelesen werden und die Instagram-Bilder füttern alle Kanäle. Wer überall mit allen befreundet bleibt, sieht immer nur dasselbe.


These 3:
Auch eure kleine Spielecke wird Bandenwerbung bekommen.

Ich habe auch mal Soziologie studiert und könnte etwas über die "Vermachtung öffentlicher Räume" zusammenschreiben. Es ist gut und schön, dass über Social Media jedem die Möglichkeit zum Publizieren gegeben ist und häufig auch Einzelpersonen den Einfluss von Organisationen gewinnen konnten. Aber der ganze basisdemokratiscche Traum bekommt ein Loch, wenn die wirklich Großen anfangen mitzuspielen. Es ist völlig egal, ob es sich um Konzerne der Bewusstseinsindustrie (also: Medien) oder andere Organisationen und Unternehmen handelt: Wer mit Budget und Ressourcen in die Diskussion einsteigt, wird am Ende die längeren Atem haben.

Das muss man nicht gutfinden, aber Geschichte wiederholt sich ja nun mal gerne: Das Internet wurde von kommerziellen Kommunikation übernommen und auch bei den sozialen Kanälen wird das passieren. Ist ja auch logisch: Die Plattformen verdienen nur Geld mit denen, die dafür bereit sind zu zahlen. Auch die re:publica als das Fest der Unabhängigen sucht Sponsoren und hat auch schon welche und lässt Firmen versuchen, sich kreativ einzubringen. Die schöne neue Medienfreiheit ist immer nur die Freiheit, die andere einem gewähren - die Spielregeln bleiben immer gleich.


These 4:
Wenn wir über etwas reden sollten, dann über Qualifikationen.

Ich berate in vielen Social Media Projekten. Und wenn ich dabei den Leutchen eines beibringe, dann ist es die Tatsache, dass sie Social Media Kommunikation an sich nicht lernen müssen. Im Web 2.0 wenden wir nur unsere alltäglichen Kulturtechniken digital an. Wer bloggt, sollte sich vorstellen, er würde guten Bekannten oder Kollegen etwas bei einem Bierchen erklären oder erzählen - einfach so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und mit einem gesunden Hang zu Fabulieren. Und wenn man bei Twitter oder Facebook einen Dialog führt, dann sollte man das genauso tun, wie man sich auch mit anderen Personen E-Mails schreiben oder sich am Telefon unterhalten würde.

Na gut, es gibt auch Menschen, die das (Miteinander-) Reden in Seminaren lernen müssen, aber die meisten können es eigentlich und müssen nicht geschult oder qualifiziert werden. Ich rede eigentlich von den Koordinatoren, denjenigen, die schon vorher für die Website und die Internet-Aktivitäten in Unternehmen und Organisationen verantwortlich waren und es meistens auch noch nicht.

Wie sind die eigenltich an ihre Jobs gekommen? Was hat sie dafür qualifiziert? Inzwischen ist es sicher die praktische Erfahrung, die auch eine Menge wert ist. Aber so wie es versäumt wurde einen Ausbildungskanon für die Online Kommunikatoren zu definieren, hinken wir natürlich auch in Bezug auf Social Media hinterher. Ich glaube auch nicht, dass es sinnvoll wäre eine Qualifikations-Portfolio für den Social Media Manager zu schnüren, denn:


These 5:
Social Media wird verschwinden, wenn das Web 2.0 wieder im Web 1.0 aufgeht und alles nur noch Internet ist.

Ich bin bestimmt und bei weiten nicht der Einzige und schon gar nicht der Erste, der diese naheliegende Behauptung aufgestellt. Dies lässt sich aller Orten im Netz ergoogeln. Von daher ist diese These eigentlich eine Binsenweisheit und doch gleichzeitig von fundamentaler Bedeutung. Sie besagt nichts anderes als, dass man das ganze Thema aussitzen kann.

Alles gut uns schön, was unter These 1 bis 4 gesagt wurde, lass uns in fünf Jahren wieder darüber reden und wir hätten uns das ersparen können. Das wirft uns dann aber wieder auf die Frage zurück, welche Qualifikationen ein Internet-Kommunikator eigentlicht braucht und wieviel davon dialogspezifisch ist.

Montag, 5. März 2012

Info-Grafik: Wording der Online-Kommunikation

Eigentlich hatte ich mal wieder was ganz anderes im Netz gesucht, als ich auf den Beitrag von Jan-Kristian Jessen mit dem lockende Titel "Web 2.0, Social Web und Social Media: Wording der Online-Kommunikation" vom 04. Januar 2012 im Blog der Agentur Quäntchen-und-Glück in der passenden Rubrik "Wieder was gelernt" stieß.

Zugegebenermaßen habe ich die Begriffe häufg auch synomym verwendet. Und als meine Chefin fragte, ob wir einem Veranstaltungstitel nicht "Web 2.0" durch "Social Media" ersetzen wollten, fehlten mir die Argumente und das Hintergrundwissen.

Dies liefert Jan M. Rechlitz in einer Zusammenfassung seiner Diplomarbeit, in der er sich an der der Terminologie abgearbeitet hat. Veröffentlicht hat er seinen Vorschlag der Begriffsabgrenzung in seinem Blog mit dem leicht missverständlichen Label PorNoKratie am 6. Februar 2011 unter dem Titel "Kommunikation verstehen: Du, PorNoKratie, was ist eigentlich der Unterschied zwischen 'Web 2.0' und 'Social Media'?"

Da ich grundsätzlich zum Kritzel-Typ mutiere, wenn ich mir Zusammenhänge vor Augen führen möchte, habe ich die von Rechlitz und Jessen gesetzen Prämissen versucht in einer Info-Grafik zusammenzufassen und ihre Abhängigkeiten untereinander aufzuzeigen. Das mag gelungen sein oder nicht - mir helfen solche Grafiken beim Verständnis komplexerer Zusammenhänge und längere Textriemen.

Genau wie meine Quellen, erhebe ich keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit (insbesondere nicht in Bezug auf die beispielhaften Anwendungen, die ich zur besseren Visualsierung in der Grafik aufgenommen habe) - und freue mich auf weiteren Austausch in diesem Punkt. Begriffliche Ein- und Ausgrenzungen sind die Basis jeglicher Auseinandersetzung mit einem Gegenstand. Wenn wir nicht wissen, worüber wir reden, dann können wir einander auch nicht verstehen.

In Bezug auf unsere dienstliche Veranstaltung werde ich beim Label "Web 2.0" bleiben - nun kann ich ja auch erklären warum:


Creative Commons Lizenzvertrag
Wording der Online-Kommunikation von Stefan Balazs steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter anderesachen.blogspot.com.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter anderesachen.blogspot.com erhalten.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Skizze: Amateur-Fotografie als soziales Medium

Am 29. Februar muss man einfach was in seinen Blog veröffentlich - schließlich kann man das nur alle vier Jahre...

Ich trage aber auch gerade Material und Gedanken für einen neuen Beitrag zusammen und versuche mich zu ordnen. Die Kern-These: Die Amateur-Fotografien waren die ersten wahren Social Media und ihre Plattform war der Rollfilm, wie ihn Kodak erfunden und populär gemacht hatte. Kodak und der Rollfilm drohen nun zu verschwinden.

Wird sich die Geschichte in der Zukunft wiederholen (können)? Könnten die Kanäle, die wir als etablierten Standard betrachten ebenfalls eines Tages Auslaufmodelle sein und die einstig dominierenden Platzhirschen zu kleinen Waldmäusen schrumpfen? Abwegig ist das nicht, denn das Ende des Rollfilms war ja auch nicht das Ende der Amateur-Fotografie.

Auslöser war übrigens ein Zitat aus dem bemerkenswerten Buch "Das erste Jahrhundert der Photographie" von Brian Coe. Am schwierigsten wird sicher die Abgrenzung: Welchen Aspekt nimmt man mit rein und welchen Autor lässt man außen vor?