Sonntag, 21. September 2014

Blogparade: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit

Die meisten Ideen kommen spontan: So auch diese! Im Online-Magazin "Medium" las ich beim Sonntags-Frühstück den Beitrag von Thomas Pleil zum "Abschied von der gedruckten Zeitung". Darin erzählt er wie eines seiner ersten selbstgeschossenen Fotos in die Lokalzeitung kam - ein Schlüsselerlebnis seiner Kindheit in Bezug auf den Zeitungsjournalismus. Ich denke, wir alle, die wir etwas mit Medien machen, hatten solche Zeitungs-Erlebnisse. Lasst uns im Augenblick das Abschieds diese Momente des ersten prägenden Kontaktes sammeln - als dankbare Anerkenung Verbeugung vor dieser aussterbenden Gattung.

Hier sammele ich die Beiträge:

Svenja, Flo, Tobias, Selina und Kersten von der Agentur "quäntchen + glück": Blogparade: Das Zeitungserlebnis meiner Kindheit (06.11.2014)

Stefan Balázs: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit - Vom Neben- zum Hauptdasteller (21.09.14)

Wer mitmachen will: Einfach loslegen, Link mailen oder mit #KindheitsZeitung vertwittern.

Ich bin gespannt und freue mich auf euren Beitrag.

Blogparade: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit - Vom Neben- zum Hauptdasteller

Lustig eine Blogparade loszutreten ist das eine - den eigenen Beitrag dafür zu liefern das andere. Das Thema Zeitung fand ich schon immer spannend und mein Lebensweg kam immer wieder mit der Presse in Berührung.

Die erste Begegnung mit namentlicher Nennung erfolgte im Sommer 1976: Als siebenjährige "Glücksgöttin" zog ich die Gewinner des Sommer-Rätsels meiner heimatlichen Kleinstadt. Dafür gab's vom Bürgermeister nachher ein "Was-ist-was"-Buch ("Urzeit-Tiere" - das mit dem Säbelzahntiger vorne drauf) zur Belohnung. Der Hauptgewinner bekam ein Fahrrad und viele Kinder andere Schallplatten-Gutscheine. Erst jetzt beim Lesen der Gewinnerliste ist mir aufgefallen, dass drei der damalig Gezogenen später auf dem Gymnasium meine Klassenkameraden wurden - das sollte ich denen mal im Nachgang erzählen!


1976: Das erste Mal in der Zeitung
Aber eigentlich war ich damals nur eine "Nebenfigur". Im Orwell Jahr 1984 - also acht Jahre später - hatte ich es zum "Hauptdarsteller" einer Zeitungsmeldung geschafft: In einem Schüler-Wettbewerb der niedersächischen Landesregierung hatte ich eine Berlin-Flug gewonnen.

Bemerkenswert ist, dass sowohl in der Überschrift als auch im Fließtext mein Nachname falsch geschrieben wurde. Und fast noch bemerkenswerter: In der Bildunterschrift wird der Familienname in einer anderen Variation falsch geschrieben. Das zeigt, dass sich niemand darum gekümmert bzw. dafür interessiert hat. Qualitätsjournalismus war schon immer ein Mythos.

Nun will ich nicht 30 Jahre später deswegen die beleidigte Leberwurst spielen. Es geht mir viel mehr um ein zetrales Schlüsselerlebnis, das ich mit dem Erscheinen des Artikels und der damit verbundenen, zeitlich begrenzten Bekanntheit im Kleinstädtchen verbinde: Es war meine erste konstruktivistische Medien-Erfahrung.


1984: Als "Hauptpreisträger" in der Zeitung
Der Artikel beschreibt eigentlich, wofür es die Preise der niedersächsichen Landesregierung gab: Beim Wettbewerb "Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" waren die Schüler des Landes aufgerufen, Aufsätze, Bilder, Wandzeitungen etc. zum Themenfeld einzureichen. Man konnte aber auch einen dösigen Multiple-Choice-Fragebogen ankreuzen.

Was der Artikel jedoch nicht sagt, ist wofür "Stefan Balksz" als "einer der Hauptpreisträger" seinen Hauptpreis erhalten hat. Was meint ihr? Für einen persönlichen, emotionalen Aufsatz über meine Großmutter, die aus Wien stammend den Großteil ihres Lebens in Ungarn verbrachte? Für eine Kohlezeichnung, die die Spaltung Europas aufs Dramatischste versinnbildlichte? Oder für eine Wandzeitung, die die Wirtschaftzahlens des damaligen Warschauer Paktes mit Westeuropa verglich? Oder bin ich unter den 7866 Preisauschreiben-Teilnehmer einfach nur ausgelost wurden? Vielleicht von einer anderen männlichen Glücksfee?

Diese Informationslücke ließ konstruktivistischen Erklärungsmustern in meinem damaligen Umfeld ausreichend Raum. Wenn meine Eltern angesprochen wurden, haben sie meine Leistung ähnlich nebulös belassen wie in dem Artikel. Es ist schon interessant, was einem die Menschen alles so zutrauen.

Und noch etwas habe ich beim Stöbern in den alten Zeitungsausschnitten gelernt: Es ist höchste Zeit diese alle mal einzuscannen, bevor der Zahn der Zeit síe gänzlich aufnagt.

Samstag, 6. September 2014

Historische Social Media Daten: Der Papst twittert ein Bild (05.09.14)

Ich bin konservativ und mag es nicht, wenn mein Weltbild durcheinander gerät - besonders nicht in Fragen der Religion. Ich bin lutherischer Protestant und ich folge dem Papst auf Twitter - das hat was mit gesunder Marktbeobachtung zu tun. Zumeist konnte man dort nur - aus meiner rein persönlichen Sicht - eher nur sinn- und zweckentleerte Sinnsprüche lesen, die mit ihrem Allerweltscharakter zeit- und bezugslos waren und eigentlich gut in die Kategorie 'Kalendersprüche' passten. Ein Beispiel gefällig?


Wobei ich fairerweise sagen muss, dass dies nicht ganz stimmt: Ich habe noch mal nachgesehen und musste feststellen, dass es durchaus auch aktuelle Bezüge zu Reisen und zum Weltgeschehen gibt. Dieser Papst ist eben auch auf Twitter politischer als sein Vorgänger.

Dieser hat mit dem Gezwitscher am 28. Juni 2011 angefangen - sicher ein wahrhaftig historisches Social Media Datum, das man sich merken muss:

Alles so weit, so gut. 418 reine Text-Tweets hat das gesegnete Duo seit dem her abgesetzt. Aber Tweet Nr. 419 ist ganz anders, denn Tweet Nr. 419 hat ein Bild!


Warum jetzt? Warum dieses Bild? Es wirkt ein bisschen arg komponiert und hat diese ungewöhnliche Tiefenschäfe. Und was noch wichtiger ist: Werden wir von nun an mehr Bilder sehen? Und was werden dies für Bilder sein? Wann kommt das erste Selfie beim Angelus?

Wie gesagt: Ich mag keine Veränderungen - aber von nun an, wird es nichts mehr so sein wie zuvor im digitalen Vatikanstaat. Ich werde das weiter beobachten!