Dienstag, 30. April 2013

Wohin fliegt die Drossel?

Die Deutsche Telekom hat ihre Privatkundentarife geändert. Nach den fetten Jahren mit Datenflats kann nun bei Neuverträgen gedrosselt werden. In den Netzen wird es eng und ihr Ausbau ist teuer - das klingt als Begründgung logisch und nachvollziehbar. Zwischen all der Aufregung und dem kollektiven Aufschrei der Netzaktivisten bleibt der Hintgrund auf den ersten Blick eher trübe.

Um Geld geht es ausnahmsweise nicht. Das rechnete Malte Spitz in der Zeit beeindruckend vor. In Anbetracht des notwendigen Netzausbaus wäre dies sogar legitim. Vor allem, weil man sich offensichtlich die wegdrosselten Datenpakete dazukaufen können wird. Des spräche für ein klares Marktmodell: Wer etwas mehr zahlt, bekomt auch etwas mehr. Das muss auch denen klar sein, die zwar günstig bei einer Airline einen Flug buchen können, aber dafür in der Regel nicht in der Business Class oder First sitzen.

Worum geht es denn? Sascha Lobo schreibt im Spiegel: "Die Abschaffung der Netzneutralität entspricht einer wirtschaftlichen Form der Zensur." Diese Dinge sind deutlich abstrakter als Geld, aber lassen sich immer noch gut erläutern: Die Deutsche Telekom ist nicht nur Netzzugangsprovider, sondern auch Datentransporteur und -lieferant. Be ihren eigenen Diensten und Produkten will sie nicht drosseln, sondern nur ihre Wettbewerber ausbremsen. Das ist nicht mehr diskriminierungsfrei, das Netz ist nicht mehr neutral.

Dabei wird die Tür zum Netz nicht zugeschlagen und damit Teilhabe an freien Angeboten unterbunden, sondrn das Scheunentor wird geschlossen, wenn die Scheune voll ist. Das weitere Stroh muss dann durch die kleine Tür im Tor hereingebracht werden. Damit die Deutsche Telekom ihre (Content-) Datennutzer bevorzugt behandeln kann, müssen diese ständig indentifizierbar sein.

Bis hierher ist alles noch klar. Man muss es nicht gut finden, aber es lässt sich beschreiben. Aber was ist das eigentliche Ziel? Wohin will die Magenta farbende Drossel fliegen? Wo landen? Das findet man bisher nirgendwo im Klartext angesagt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: Die Deutsche Telekom will dahin zurück, wo sie herkommt: Zu T-Online als geschlossenen Online-Dienst wie es damals auch AOL und Compuserve waren - eigene Onlinewelten, in denen die Nutzer ständig transparent mit offenen Visier wandeln und überall Kassenhäuschen stehen. Irgendwo gibt es dann ein Weltkugel-Icon, das über eine dünne Leitung ins eigntliche Internet als WWW führt. Ob da die Kunden dauerhaft mitmachen, ist offen. Viele Menschen lassen sich ja freiwillig gefangen halten, wenn der Käfig ausreichend golden ist. Wer das Budget hat wird sich aber immer Freigang dazukaufen.

Solche altertümlichen Zukunftsszenarien scheinen dem Gesetzgeber und gleichzeitig 15-prozentigen Miteigentümer der Deutschen Telekom nicht zu schrecken. Die Energieunternehmen fürchtet der Staat um so mehr: Sie müssen zerlegt - neudeutsch "unbundled" - werden, weil sie vormals Erzeugung, Verteilund und Vertrieb unter ihrer Eigenregie hatten, bis der Staat höhere Markttransparenz forderte. Vertikal integrierte Konzerne über alle drei Wertschöpfungsstufen waren nicht mehr erwünscht. Dabei reden wir von einem Commodity-Produkt. Beim Strom kann der Kunde nicht erkennen, wer ihn erzeugt, transpotiert und weiterverkauft hat. Hier greift der Staat regulierend ein.

Wenn es aber um freie Information als Grundlage unser freiheitlich-demokratischen Grundordnung geht, juckt es ihm nicht, da kann man beide mal beide Augen zudrücken. Die Deutsche Telekom ist inzwischen ebenfalls ein vertikal integrierter (Medien-) Konzern über alle drei Wertschöpfungsstufen der Erzeugung, Verteilung und des Vertriebs von Daten und Informationen. Warum muss sie nicht "unbundled" werden? Deutschland schickt sich an die Energiewende zu schaffen - Zeit für eine Datenwende!

Montag, 8. April 2013

Die Sache mit dem Cupcake und Cremehäubchen

veröffentlicht unter CC Lizenz von brandonink2001
Unternehmen sind lebendige Organismen, die sich in regelmäßigen Abständen transformieren - immer in der Hoffnung, damit auf sich verändernde Marktanforderungen besser regieren zu können. Die Gretchen-Frage: Wer kann was innerhalb der Organistion am besten? In welche Abteilung sollte welche Aufgabe erledigt werden? Die Unternehmensberatungen und Organsationsspezialisten haben jetzt Social Media entdeckt und fragen sich: "Wohin damit?"

Auslöser für die vorliegende Diskussion war mal wieder ein kleiner Tweet:
Damit ist meine Position ja schon mal klar und deutlich.  Andreas Mauer sieht das anders:

Um die jeweilen Positionen zu untermauern, kann man auch mal mehr als 140 Zeichen investieren. Andreas macht das in seinem Blog und ich hier. Positionen korrespondieren immer mit Ausgangspositionen. Andreas leitet bei 1&1 das Social Media Team und sieht die Kanäle am besten in einer Abteilung koordiniert. Ich arbeite in der Unternehmenskommunikation und betrachte Social Media als Informations- und Dialog-Plattformen. Also kann ich mir keine andere sinnvolle Verankerung dieses Jobs als bei der Unternehmenskommunikation im Online/Internet-Team vorstellen:

Social Media ist Teil der digitalen Medien und damit der digitalen Kommuniation. Das Internet kann auch ohne Social Media funktioniren (hat es ja auch die ersten 15 Jahre), aber Social Media kann nicht ohne das Internet existieren. Allein schon, weil das Internet das Trägermedium von Social Media ist. Es ist ein bisschen so, wie beim Cupcake und seinem Cremehäubchen. Ohne den Kuchenteig darunter, macht das Cremehäubchen keinen Sinn.

Deswegen halte ich auch nicht so viel, von der modischen Idee Social Media Teams neben dem Kommunikationsteams aufzubauen - das wären reine Cremehäubchen. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, dass die Experten sich untereinander austauschen. Wir Komunikaroten können dabei beraten und anleiten, aber ich wäre nicht in der Lage einen mit Technikern oder Juristen auf Augenhöhe zu führen. Social Media braucht die Authentizität der Fachleute in ihren jeweiligen Fachateilungen.

Es geht aber nicht nur um süße Bäckerei, sondern auch um effiziente Prozesse. Betrachtet man die Social Media auch als Referenzmedien, die auf andere Daten und Informationen verweisen, die in der Regel auch digital sind, dann macht es Sinn, dass diese Referenzen auch von den Personen erstellt, betreut und arbeitet werden, die Quellen erstellen. Anders formuliert: Wer den Blog-Post schreibt, die Studie auf der Website veröffentlicht, die digitale Pressemappe füllt, der sollte auch selber den verweisenden Tweet und den korrespondierenden Facebook-Post verfassen und publizieren.
Wenn Social Media in anderen Teams betreut würden, hätte man die übliche Schnittstellen Problematik mit sich mit Empfangs- und Übermittlungsfehlern auseinandersetzen muss - "stille Post" war noch nie der sicherste Kommunikationsweg.

Wenn man natürlich vorrangig Produkte über Social Media verkaufen und deren Support darübr gewährleisten will, dann gehöre diese Kanäle natürlich eher ins Sales-Team. Aber viele Studien zeigen, dass sich Social Media eher für vertriebsunterstützende Kommunikation, als für den Verkauf und Support von Produkten und Services eignen. Von daher lande ich auch so wieder in der Kommunikationsabteilung.

Nachdem sich nun die erste Aufregung um Social Media gelegt hat, wird die Frage der Verortung und Betreuung für viele Organisationen zentral. Wer soll das Tagesegschäft erledigen und welche Qualifikation braucht diese Person? Jetzt muss jeder seine Hausaufgaben machen und ich bin mir sicher, dass wir die verschiedensten Ergebnisse und Lösungswege sehen werden.

Andreas und ich freuen sich auf die Diskussion und weitere dritte, vierte und x-te Meinungen zu diesem Thema. Kommentare bei mir oder bei Andreas oder in einem eigenen Blog-Post sind herzlich willkommen - das Thema hätte es verdient!