Donnerstag, 28. März 2013

Teilen gewünscht - die Liste

Nach der Verabschiedung der Leistungsschutzrechte im Bundestag und Bundesrat haben einige Verlage im März 2013 explizit darauf hingewiesen, dass sie es weiterhin wünschen, dass ihre Inhalte im Web empfohlen, weitergeleitet und geteilt zu werden und sie in diesem Fällen von ihren Leitungsschutzrechten keinen Gebrauch machen würden.

Bei Twitter habe ich nach gefragt, ob es irgendwo eine solche Liste. Dass niemand darf geantwortet hat, muss nicht heißen, dass eine solche Liste nicht schon irgendwo existiert. Aber wenn ich nicht finde, was ich suche, dann muss ich das eben selber machen.

Ich habe eben erst angefangen zusammenzutragen, was mir gerade auf die Schnelle einfiel. Wer noch mehr Hinweise mit Verweisen hat, lasst mir diese bitte zukommen, damit diese kleine Liste wachsen und gedeihen kann.



Habe mal bei Google Deutschland nachgefragt, ob die nicht eine Liste kennen. Kennen sie natürlich, denn an dem Thema haben sie ja ein ureigenstes Interesse:


Aus der Listen-Empfehlung von Stefan Keuchel aka @frischkopp habe ich mir noch ein paar wichtige Verweise geliehen:




Donnerstag, 7. März 2013

Der Kracher hinter der Linkschleuder

Schon länger bestätigt sich der Verdacht, dass Inhalte im (Social) Web geteilt werden, ohne das sie vorher gelesen worden. Klingt die Überschrift vielversprechend, dann wird der Link kopiert und via Twitter verschleudert.

Das haben in den vergangenen Tagen einge mit einem Blogpost der deutschsprachigen Ausgabe des Wallstreetjournals gemacht - die Quelle ist vertrauenswürdig, die Head "Wird Facebook jetzt uncool?" passt und dann: Ab dafür! Der Inhalt, der darunter steht, ist nicht falsch, aber eher dünn.

Lediglich der harmlos wirkende Link zu Beginn des zweiten Absatzes verweist auf einen echten Kracher, den vermutlich die wenigstens Leser weiterverfolgt haben: Die fünfseitige Pressemitteilung der HAVAS PR zur "Jacobs Krönung-Studie".

Die Studie ist deswegen der Kracher, weil sie unter unglaublichen Banalitäten und Alltagsweisheiten auch echte Hammer-Fakten vergräbt. Zum Beispiel, dass Jacobs, Suchard und all die Kraft-Marken zu dem Food-Giganten Mondelez International gehören, vom dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Aber das war nur für mich persönlich ein Aha-Erlebnis...

Die Studie des Kaffee-Rösters nennt sich "Chatroom Familie: Die Brücke zwischen den Generationen" wurde im Dezember 2012 von Institut für Demoskopie Allensbach erhoben und will die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Familie als Bindeglied einer digital-dominierten Welt des 21. Jahrhunderts unterstreichen.

Die Pressemitteilung fragt in ihrer Überschrift noch alarmierend: "Bricht unsere Gesellschaft auseinander?" Wäre sie faktenorientiert aufgebaut, hätte der erste Satz lauten müssen: "Tut sie nicht." Denn es gibt ja die Famiie und beim guten Kaffee kann einfach über alles gesprochen werden.

Das ist de facto auch das Fazit der ganzen Erhebung: Soziale Systeme definieren und stabilisieren sich durch Kommunikation - oder anders: Es hilft, wenn man miteinander spricht. 60 Prozent der befragten Erwachsenen hilft es zum Beispiel mit jungen Menschen zu sprechen - hoffen wir mal, dass die jungen Menschen den Armen auch antworten... Für völlig hilflose Erwachsene werden dann auch konkrete Einsteigerfragen für den Dialog mit der Jugend vorgeschlagen z.B. "Wie bekommst du deine Lieder aus dem Internet?"

Ebenso banal ist der empirische Nachweiß, dass es eine Jugendkultur gibt, die bei Älternen auf Miss- oder gar Unverständnis stoßen könnte - so als hätte es vor 60 Jahren die Beatles oder Elvis Presley nicht gegeben.

Aber der echter Kracher versteckt sich in der Restmenge der Eltern, die bei der Befragung weder angaben täglich oder mehrmals täglich (50 Prozent) oder zumindest mehrmals pro Woche (36 Prozent) mit ihren Kindern zwischen 14 und 17 Jahre zu reden. Das macht 14 Prozent oder jede siebte Familie, in der nicht einmal pro Woche mit den Kindern gesprochen wird! Was sind denn das für Zustände?

Im Sinne der Transparenz gibt es natürlich noch den vollständigen Berichtsband hinter der Pressemitteilung: Unter jacobskroenung-studie.de lässt sich alles mögliche dazu herunterladen.

Der Blick in den Berichtsband lohnt sich vielleicht, denn wir hatten schon immer geahnt, dass Kinder sich nicht mit ihren Eltern in Social Media vernetzen wollen, aber es fehlte uns eventuell noch die Zahl nebst Belegstelle dazu. Voila: 76 Prozent der Kinder zwischen 14 und 17 Jahren wünschen sich keinen Austausch mit ihren Eltern auf Facebook - jetzt empirisch verweisbar auf S. 17.