Donnerstag, 7. November 2013

Die Packstationen von DHL sind kosmisch: Schwarze Löcher, in denen alles verschwindet



CC: Ein simuliertes Schwarzes Loch von 10 Sonnenmassen vor Milchstraßenhintergrund aus 600km Abstand gesehen (horizontaler Öffnungswinkel der Kamera: 90° by Ute Kraus
Wie erklärt man einem Laien, das Prinzip „Packstation“? Am besten so: Die Packstation ist ein schwarzes Loch, das alle Energie aufsaugt – Deine Pakete, Dein Geld, Dein Nervenkostüm. Und wie macht sie das? In dem sie gar nichts macht – und das macht sie perfekt.

Ich habe mich beim Service der Packstationen über http://www.paket.de angemeldet, weil ich meine Nachbarn mit meinen Bestellungen und Postsendungen nicht belästigen wollte. So weit, so gut. Ich habe direkt nach der Anmeldung einen ersten Online-Kauf an die Packstation adressieren lassen. Mein Fehler, denn ich hätte die Zustellung meiner Abholkarte abwarten müssen. Also: Paket rein in die Packstation, Paket raus aus Packstation. SMSe, dass der Dienst nicht funktioniere und gebührenpflichtige Anrufe auf der Hotline, weil ich keine Handyflat fürs Festnetz habe – die Telekom hat meine Leitung ruiniert, aber dafür kann die Post ja nichts. Nach ca. sechs Anrufen auf der Hotline, war das Paket in der Packstation und ich im Besitz meiner Abholkarte. Dann kam ein „mTan“ auf dem Handy an und direkt danach eine SMS, dass ich für alle Services an den Packstationen gesperrt sei.

Erste Auskunft der Hotline: „Bitte ignorieren Sie den Sperrungshinweis einfach.“ Kann man machen, aber dann bekommt man sein Paket auch nicht. Er folgen erneute Anrufe auf der Hotline. Nun heißt es, man löse eine neue „mTan“ aus, die aber auch nach vier Werktagen noch nicht eingetroffen ist. Dann schwenken Hotlines in der Regel auf eine andere Strategie um: Es kann nicht sein, was erklärbar ist. Tenor: „Sie irren sich, lieber Kunde!“ – Vielleicht erwarten Sie keine Sendung? Oder sie haben eine SMS mit einer Tan von uns gelöscht? Es kann eben nicht sein, was nicht sein soll.
Irgendwann erreicht mich nach ca. zehn Tagen nach einer Bestellung bei Amazon, die ich an die Packstation adressiert hatte, eine E-Mail von DHL. Meine Sendung sei mit der Nummer xyz123 zu mir unterwegs. Eine Info der Packstation erhalte ich nicht. Ich erhalte auch eine Woche später keinerlei weitere Info zu dieser Sendung, die ich längst bezahlt habe.
Ich möchte mich zur Sendungsverfolgung auf http://www.paket.de einloggen. Das geht nicht. Ich sehe nur eine Eieruhr. Erklärung dazu über Twitter: „Dann haben Sie offensichtlich Ihr Passwort vergessen.“ Also klicke ich vorsichtshalber auf „Passwort vergessen“ und gebe meine E-Mail-Adresse an. Eine E-Mail zum Zurücksetzen der Zugangsdaten erreicht mich nie. Warum? Keine Ahnung.
Eine Stunde später erhalte ich eine E-Mail eines ebay-Verkäufers. Seine Ware, die ich käuflich erworben haben, wurde von der Packstation als unzustellbar abgewiesen…
Verstehen Sie jetzt was ich meine? Ich komme gerne auf den Anfang zurück: Packstationen sind ein schwarzes Loch. Ein Service, der attraktiv klingt, aber nicht funktioniert.
Ich werde künftig meine Paketpost wieder lieber an eine Wohnadresse schicken lassen, auch wenn ich weiß, dass ich nicht da bin und sie deswegen zur Abholung in der Postfiliale hinterlegt werden wird. Es wäre auch anders gegangen, aber die DHL will scheinbar irgendwie nicht - dann will ich auch nicht mehr.

Sonntag, 22. September 2013

Testfahrt als Horrortripp: Mit CAR2GO ins Nirwana

Knapp 20 Euro ärmer, rund 18 Kilometer vom Ziel entfernt und zwei Stunden verloren - das ist das Fazit meines ersten Versuches CAR2GO zu nutzen. Mit innovativen Mobilitätskonzepten hat das nichts zu tun, sondern ist nur eine echte Katastrophe. Ein absolutes CARnoGo!

Dabei hatte ich mich wirklich auf die erste Erfahrung mit dem kleinen Flitzern zum Mitnehmen echt gefreut. Sich einfach ein Auto zu nehmen, wenn man eines braucht, gefiel als Idee sehr gut. Als Düsseldorfer war ich nach langer Zeit mal wieder in Berlin. Nach dem Besuch von Freunden am Gesundbrunnen im Wedding, dachte ich, es wäre eine gute Gelegenheit CAR2GO für die knapp 4,5 km bis zu meine Hotel in Mitte zu nutzen. Es war 21 Uhr, der nächste freie Wagen war laut App rund 470 m von meinem Standort entfernt. Die Reservierung und das Öffnen des Autos hat gut geklappt und ich war schon begeistert.

Da bisher noch keinen Smart gefahren habe, musste ich mich mit dem Fahrzeug erst ein bisschen vertraut machen. Zieladresse in die Navi eingegeben, Route wird berechnet und los geht's. Anfänglich bin ich einmal nicht abgebogen, weil ich die Navigation aus Versehen stumm geschaltet habe und den Hinweis zum Abbiegen nicht hören konnte. Ton wieder an, Fahrzeit neuberechnet - nun natürlich ein bisschen länger, denn ich war ja falsch abgebogen. Die Fahrzeit betrug nun über 30 Minuten. Da hätte man natürlich stutzig werden können, aber man ist ja nicht von hier und fährt deswegen auch mit Navigation.

Irgendwann war ich der Meinung, dass ich viel zu weit in den Westen fahren würde. Also ran an den Straßenrand, Ziel der Navigaton kontrolliert und sicherheitshalber erneut eingegeben. Die Fahrtzeit verändert sich nicht merklich und es geht weiter westwärts. Auf einmal schreckt mich eine Aussage der Navigation auf: "Achtung, Sie verlassen nun das Tarifgebiet." Wie kann das sein? Endet das Tarifgebiet zwischen Wedding und Mitte? Im alten Todesstreifen?

Die Navi zeigt "Daumstraße" - keine Ahnung, wo das sein soll, aber wohl nicht mehr im Tarifgebiet. Da nun über 45 Minuten vergangen sind, seit ich das Auto geöffnet habe, rufe ich die Hotline ein, weil ich mir Rat und Unterstützung für 0,49 Euro pro angefangener Minute aus dem Mobilnetz und erhoffe. Immer wenn dort abgenommen wird, pfeift es unglaublich laut in meiner Ohr. Es tut weh. Ein Dialog ist nicht möglich. Das wiederholt sich bei jedem Versuch! Ab dann nimmt niemand mehr ab, wenn ich die Hotlinenummer wähle - diese Hotline bleibt kalt!

Ich möchte diese Geisterfahrt nur noch beenden! Ich wende den Wagen, bis mir nach gut fünf Minuten gesagt wird, ich wäre wieder im Tarifgebiet. Jetzt darf ich den Wagen abstellen. Als vor mir die U-Bahnstation "Haselhorst" auftaucht, parke ich den Wagen am Fahrbahnrand. An der Hotline erreiche ich weiterhin niemanden.

Es ist inzwischen 22.15 Uhr und ich stelle fest, dass ich fast in Spandau bin - Berlin-Mitte ist das nicht. Die BVG kostet mich noch mal 2,60 Euro, was aber gemessen an meinen bisherigen Kosten, die ich mit CAR2GO versenkt habe ohne mein Ziel zu erreichen verhältnismäßig günstig ist. In der U-Bahn erreiche ich endlich jemanden an der Hotline, aber es rattert so, dass wir einander nicht verstehen können.

Gegen 23 Uhr bin ich dann endlich im Hotel. Jetzt habe ich Ruhe und rufe die Hotline an. Nach mehreren Versuchen, bei denen das Kingeln nach langer Zeit einfach eingestellt wurde erreiche ich jemanden. Meine gesammte, angestaute Frustration entlädt sich auf den - zugegeben unschuldige - Hotline-Mitarbeiter. Die 2.94 Euro für die sechs Minuten à 0,49 Euro mit Fluchen und Geschimpfe gehen gerne auf mich - es war mir sogar ein Vergnügen - aber den Rest des Abends möchte ich ehrlich gesagt, nicht bezahlen müssen. Es war auch so schon teuer Lehrgeld!

Dienstag, 17. September 2013

20x Web2.0: "The Big Five" of Socia Media

Listen gibt es überall und für alles. Recht bekannt sind die "Big Five" - die fünf großen Tiere Afrikas, die man auf jeder Safari gesehen haben muss, um überhaupt sagen zu können, dass man auf Safari war.

Bei den afrikanischen Wildtieren sind das:
  • der afrikanische Elefant
  • das Spitzmaulnashorn
  • der afrikanische Büffel
  • der Löwe
  • und der Leopard

Bei den Tieren Alaskas und Nordamerikas gehen die Meinungen bereits auseinander und eine vergleichbare Liste Europas ist mir nicht bekannt. Aber wenn es eine gäbe, wären bestimmt Luchs, Braunbär und Wolf darauf.

Bei Social Media sehe ich folgende Liste als "Big Five":
  • Facebook (Elefant)
  • Twitter (Löwe)
  • Google+ (Spitzmaulnashorn)
  • Pinterest (Leopard)
  • Foursquare (Büffel)
Wobei diese Zuordnung nicht unbedingt, den strengsten Kriterien folgt:



Ich denke diese "Big Five" gehören auf jeden Fall zum Handwerkszeug von Social Media Managern und deswegen bilden sie die (sichtbare) Spitze des Web 2.0-Eisberges, der im Internet-Ozean treibt und damit auch die 'Top-5' unserer "20x Web 2.0-Liste".

Da verbleiben nur noch 15 magische Orte, die auf der Entdeckungsreise durch Mitmach-Web aufgespürt und besucht werden müssen - welche das sein werden, stelle ich hier bald vor.
Creative Commons Lizenzvertrag
Big Five in Social Media von Stefan Balazs steht unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter http://anderesachen.blogspot.de/2013/09/20x-web20-big-five-of-socia-media.html.

Freitag, 13. September 2013

20x Web2.0: Von welchen Plattformen Kommunikatoren mal was gehört haben sollten...


Facebook und Twitter sind in den Abteilungen für Unternehmenskommunikation der größeren und kleinen Firmen angekommen - zumindest haben alle Pressesprecher und "Kommunikanten" schon mal davon gehört oder kennen jemanden, der sich da auskennt. Immerhin.

Dabei ist Web 2.0 so viel bunter und umfangreicher. Aber was davon ist relevant? Was sollte man mal gesehen haben oder sich näher angucken?

Das Conservation Prisma kennt jeder - macht sich auch immer klasse zur Eröffnung einer Präsentation, mit der man Laien Social Media erklären oder näherbringen will. So richtig arbeiten kann man damit aber nicht - Nichts für ungut, lieber @briansolis, ansonsten finde ja vieles toll, was ich sonst von Dir so lese und das Prisma ist ja auch super!

Betrachte es mal als "Wahlzettel" und kreuzt an, was ihr für relevant, interessant oder auch nur unterhaltsam für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der U-Kom haltet:

Bei Twitter hatte ich auch schon mal nachfragt und folgende Vorschläge erhalten:

  • LinkedIn (dreimal genannt)
  • Pinterest (dreimal genannt)
  • Xing (zweimal genannt)

Alle weiteren wurden bisher nur einmal empfohlen:

Google+, Vine, Instagram, Slideshare, Flipboard, Motortalk, Zinmmerschau, Kaufmich

Ich nehm das mal als erste Anregung, bin aber an weiteren Vorschlägen - gerne auch begründet - interessiert.

Gastautoren, die den einen oder anderen Kanal und was man damit anstellen kann, gerne hier vorstellen möchten sind auch willkommen.

Dienstag, 18. Juni 2013

Die Kunden werden dort sein, wo ihre Daten sind - oder: Was ich mir von der Telekom wünsche

Ich versuche schon seit einiger Zeit die Deutsche Telekom zu überzeugen, ein Bundle-Angebot für ihre Entertain-Kunden anzubieten, wenn diese zusätzlich einen Mobile-Vertrag abschließen. Aber irgendwie werde ich nicht erhört: Ich twittere es der Telekom, schicke E-Mail, sage es in deren Kundencentren - aber bekomme dennoch nicht, was ich möchte.

Nun dachte, ich erkläre es hier und vielleicht stößt ein pfiffiger Produktentwickler diesen Beitrag und versteht vielleicht auch den Vorteil auch für sein Unternehmen - die screenen vielleicht das Netz oder Googeln auch schon mal.

Bisherige Motive zur Wahl des Mobilfunkvertrages mögen vielfältig gewesen sein: Vorrangig der Preis, aber auch Netzabdeckung oder ein günstiges Handy-Angebot in Verbindung mit einem Vertrag.

Handys kauft man so (alles andere ist mit deutlichen Aufschlägen verbunden), das beste Netz hat die Telekom wohl, der Preis ist aber nicht unbedingt günstig. Das ist künftig aber alles nicht mehr ausschaggebend. Wenn man begonnen hat, Daten in der Cloud einzulagern, wird irgendwann die Convience im Datenverkehr Oberhand gewinnen.

Ich habe eine Kindle Fire HD und damit ein Datenspeichervolumen in der Amazon-Cloud dazu bekommen, wo ich ganze Wechselfestplatten ohne Wimpernzucken reinkopieren könnte. Es gibt auch noch ein iPhone im Haushalt und korrespondierenden Speicherplatz bei Apple. Und als Entertain-Kunde kann ich natürlich auch Daten in die T-Cloud schieben und über das TV oder Handy-App speichern, abrufen und teilen.

Aber ich will es einfacher haben: Ich möchte meine persönliche Datenwolke und deren Erreichbarkeit aus einem Guss von einem Anbieter und überall - deswegen eben auch mobil, weil es für Entertain-Kunden auf diesem Wege attraktiv werden könnte, die Deutsche Telekom auch als Mobilanbieter zu wählen.

Noch attraktiver wäre es mit einem Bundle-Angebot. Ich erwarte keine phantastischen Preisnachlässe, aber ein symbolisches "Wir haben verstanden" (auch gerne mit eine kleinen Plus). Zum Beispiel, der neue T-Mobile Complete Comfort M: Der kostet im ersten Jahr 36 Euro monatlich und dann 40 Euro pro Monat. Setzt den doch bei bestehenden T-Home Entertain Kunden auf 36 Euro dauerhaft - und ihr hättet schlagartig in unserem Haushalt zwei neue Kunden.

Und ich denke, dass würde noch mehr Kunden interessieren. Denk mal darüber nach, liebe Deutsche Telekom, und mach mir ein Angebot.

Dienstag, 30. April 2013

Wohin fliegt die Drossel?

Die Deutsche Telekom hat ihre Privatkundentarife geändert. Nach den fetten Jahren mit Datenflats kann nun bei Neuverträgen gedrosselt werden. In den Netzen wird es eng und ihr Ausbau ist teuer - das klingt als Begründgung logisch und nachvollziehbar. Zwischen all der Aufregung und dem kollektiven Aufschrei der Netzaktivisten bleibt der Hintgrund auf den ersten Blick eher trübe.

Um Geld geht es ausnahmsweise nicht. Das rechnete Malte Spitz in der Zeit beeindruckend vor. In Anbetracht des notwendigen Netzausbaus wäre dies sogar legitim. Vor allem, weil man sich offensichtlich die wegdrosselten Datenpakete dazukaufen können wird. Des spräche für ein klares Marktmodell: Wer etwas mehr zahlt, bekomt auch etwas mehr. Das muss auch denen klar sein, die zwar günstig bei einer Airline einen Flug buchen können, aber dafür in der Regel nicht in der Business Class oder First sitzen.

Worum geht es denn? Sascha Lobo schreibt im Spiegel: "Die Abschaffung der Netzneutralität entspricht einer wirtschaftlichen Form der Zensur." Diese Dinge sind deutlich abstrakter als Geld, aber lassen sich immer noch gut erläutern: Die Deutsche Telekom ist nicht nur Netzzugangsprovider, sondern auch Datentransporteur und -lieferant. Be ihren eigenen Diensten und Produkten will sie nicht drosseln, sondern nur ihre Wettbewerber ausbremsen. Das ist nicht mehr diskriminierungsfrei, das Netz ist nicht mehr neutral.

Dabei wird die Tür zum Netz nicht zugeschlagen und damit Teilhabe an freien Angeboten unterbunden, sondrn das Scheunentor wird geschlossen, wenn die Scheune voll ist. Das weitere Stroh muss dann durch die kleine Tür im Tor hereingebracht werden. Damit die Deutsche Telekom ihre (Content-) Datennutzer bevorzugt behandeln kann, müssen diese ständig indentifizierbar sein.

Bis hierher ist alles noch klar. Man muss es nicht gut finden, aber es lässt sich beschreiben. Aber was ist das eigentliche Ziel? Wohin will die Magenta farbende Drossel fliegen? Wo landen? Das findet man bisher nirgendwo im Klartext angesagt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: Die Deutsche Telekom will dahin zurück, wo sie herkommt: Zu T-Online als geschlossenen Online-Dienst wie es damals auch AOL und Compuserve waren - eigene Onlinewelten, in denen die Nutzer ständig transparent mit offenen Visier wandeln und überall Kassenhäuschen stehen. Irgendwo gibt es dann ein Weltkugel-Icon, das über eine dünne Leitung ins eigntliche Internet als WWW führt. Ob da die Kunden dauerhaft mitmachen, ist offen. Viele Menschen lassen sich ja freiwillig gefangen halten, wenn der Käfig ausreichend golden ist. Wer das Budget hat wird sich aber immer Freigang dazukaufen.

Solche altertümlichen Zukunftsszenarien scheinen dem Gesetzgeber und gleichzeitig 15-prozentigen Miteigentümer der Deutschen Telekom nicht zu schrecken. Die Energieunternehmen fürchtet der Staat um so mehr: Sie müssen zerlegt - neudeutsch "unbundled" - werden, weil sie vormals Erzeugung, Verteilund und Vertrieb unter ihrer Eigenregie hatten, bis der Staat höhere Markttransparenz forderte. Vertikal integrierte Konzerne über alle drei Wertschöpfungsstufen waren nicht mehr erwünscht. Dabei reden wir von einem Commodity-Produkt. Beim Strom kann der Kunde nicht erkennen, wer ihn erzeugt, transpotiert und weiterverkauft hat. Hier greift der Staat regulierend ein.

Wenn es aber um freie Information als Grundlage unser freiheitlich-demokratischen Grundordnung geht, juckt es ihm nicht, da kann man beide mal beide Augen zudrücken. Die Deutsche Telekom ist inzwischen ebenfalls ein vertikal integrierter (Medien-) Konzern über alle drei Wertschöpfungsstufen der Erzeugung, Verteilung und des Vertriebs von Daten und Informationen. Warum muss sie nicht "unbundled" werden? Deutschland schickt sich an die Energiewende zu schaffen - Zeit für eine Datenwende!

Montag, 8. April 2013

Die Sache mit dem Cupcake und Cremehäubchen

veröffentlicht unter CC Lizenz von brandonink2001
Unternehmen sind lebendige Organismen, die sich in regelmäßigen Abständen transformieren - immer in der Hoffnung, damit auf sich verändernde Marktanforderungen besser regieren zu können. Die Gretchen-Frage: Wer kann was innerhalb der Organistion am besten? In welche Abteilung sollte welche Aufgabe erledigt werden? Die Unternehmensberatungen und Organsationsspezialisten haben jetzt Social Media entdeckt und fragen sich: "Wohin damit?"

Auslöser für die vorliegende Diskussion war mal wieder ein kleiner Tweet:
Damit ist meine Position ja schon mal klar und deutlich.  Andreas Mauer sieht das anders:

Um die jeweilen Positionen zu untermauern, kann man auch mal mehr als 140 Zeichen investieren. Andreas macht das in seinem Blog und ich hier. Positionen korrespondieren immer mit Ausgangspositionen. Andreas leitet bei 1&1 das Social Media Team und sieht die Kanäle am besten in einer Abteilung koordiniert. Ich arbeite in der Unternehmenskommunikation und betrachte Social Media als Informations- und Dialog-Plattformen. Also kann ich mir keine andere sinnvolle Verankerung dieses Jobs als bei der Unternehmenskommunikation im Online/Internet-Team vorstellen:

Social Media ist Teil der digitalen Medien und damit der digitalen Kommuniation. Das Internet kann auch ohne Social Media funktioniren (hat es ja auch die ersten 15 Jahre), aber Social Media kann nicht ohne das Internet existieren. Allein schon, weil das Internet das Trägermedium von Social Media ist. Es ist ein bisschen so, wie beim Cupcake und seinem Cremehäubchen. Ohne den Kuchenteig darunter, macht das Cremehäubchen keinen Sinn.

Deswegen halte ich auch nicht so viel, von der modischen Idee Social Media Teams neben dem Kommunikationsteams aufzubauen - das wären reine Cremehäubchen. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, dass die Experten sich untereinander austauschen. Wir Komunikaroten können dabei beraten und anleiten, aber ich wäre nicht in der Lage einen mit Technikern oder Juristen auf Augenhöhe zu führen. Social Media braucht die Authentizität der Fachleute in ihren jeweiligen Fachateilungen.

Es geht aber nicht nur um süße Bäckerei, sondern auch um effiziente Prozesse. Betrachtet man die Social Media auch als Referenzmedien, die auf andere Daten und Informationen verweisen, die in der Regel auch digital sind, dann macht es Sinn, dass diese Referenzen auch von den Personen erstellt, betreut und arbeitet werden, die Quellen erstellen. Anders formuliert: Wer den Blog-Post schreibt, die Studie auf der Website veröffentlicht, die digitale Pressemappe füllt, der sollte auch selber den verweisenden Tweet und den korrespondierenden Facebook-Post verfassen und publizieren.
Wenn Social Media in anderen Teams betreut würden, hätte man die übliche Schnittstellen Problematik mit sich mit Empfangs- und Übermittlungsfehlern auseinandersetzen muss - "stille Post" war noch nie der sicherste Kommunikationsweg.

Wenn man natürlich vorrangig Produkte über Social Media verkaufen und deren Support darübr gewährleisten will, dann gehöre diese Kanäle natürlich eher ins Sales-Team. Aber viele Studien zeigen, dass sich Social Media eher für vertriebsunterstützende Kommunikation, als für den Verkauf und Support von Produkten und Services eignen. Von daher lande ich auch so wieder in der Kommunikationsabteilung.

Nachdem sich nun die erste Aufregung um Social Media gelegt hat, wird die Frage der Verortung und Betreuung für viele Organisationen zentral. Wer soll das Tagesegschäft erledigen und welche Qualifikation braucht diese Person? Jetzt muss jeder seine Hausaufgaben machen und ich bin mir sicher, dass wir die verschiedensten Ergebnisse und Lösungswege sehen werden.

Andreas und ich freuen sich auf die Diskussion und weitere dritte, vierte und x-te Meinungen zu diesem Thema. Kommentare bei mir oder bei Andreas oder in einem eigenen Blog-Post sind herzlich willkommen - das Thema hätte es verdient!

Donnerstag, 28. März 2013

Teilen gewünscht - die Liste

Nach der Verabschiedung der Leistungsschutzrechte im Bundestag und Bundesrat haben einige Verlage im März 2013 explizit darauf hingewiesen, dass sie es weiterhin wünschen, dass ihre Inhalte im Web empfohlen, weitergeleitet und geteilt zu werden und sie in diesem Fällen von ihren Leitungsschutzrechten keinen Gebrauch machen würden.

Bei Twitter habe ich nach gefragt, ob es irgendwo eine solche Liste. Dass niemand darf geantwortet hat, muss nicht heißen, dass eine solche Liste nicht schon irgendwo existiert. Aber wenn ich nicht finde, was ich suche, dann muss ich das eben selber machen.

Ich habe eben erst angefangen zusammenzutragen, was mir gerade auf die Schnelle einfiel. Wer noch mehr Hinweise mit Verweisen hat, lasst mir diese bitte zukommen, damit diese kleine Liste wachsen und gedeihen kann.



Habe mal bei Google Deutschland nachgefragt, ob die nicht eine Liste kennen. Kennen sie natürlich, denn an dem Thema haben sie ja ein ureigenstes Interesse:


Aus der Listen-Empfehlung von Stefan Keuchel aka @frischkopp habe ich mir noch ein paar wichtige Verweise geliehen:




Donnerstag, 7. März 2013

Der Kracher hinter der Linkschleuder

Schon länger bestätigt sich der Verdacht, dass Inhalte im (Social) Web geteilt werden, ohne das sie vorher gelesen worden. Klingt die Überschrift vielversprechend, dann wird der Link kopiert und via Twitter verschleudert.

Das haben in den vergangenen Tagen einge mit einem Blogpost der deutschsprachigen Ausgabe des Wallstreetjournals gemacht - die Quelle ist vertrauenswürdig, die Head "Wird Facebook jetzt uncool?" passt und dann: Ab dafür! Der Inhalt, der darunter steht, ist nicht falsch, aber eher dünn.

Lediglich der harmlos wirkende Link zu Beginn des zweiten Absatzes verweist auf einen echten Kracher, den vermutlich die wenigstens Leser weiterverfolgt haben: Die fünfseitige Pressemitteilung der HAVAS PR zur "Jacobs Krönung-Studie".

Die Studie ist deswegen der Kracher, weil sie unter unglaublichen Banalitäten und Alltagsweisheiten auch echte Hammer-Fakten vergräbt. Zum Beispiel, dass Jacobs, Suchard und all die Kraft-Marken zu dem Food-Giganten Mondelez International gehören, vom dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Aber das war nur für mich persönlich ein Aha-Erlebnis...

Die Studie des Kaffee-Rösters nennt sich "Chatroom Familie: Die Brücke zwischen den Generationen" wurde im Dezember 2012 von Institut für Demoskopie Allensbach erhoben und will die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Familie als Bindeglied einer digital-dominierten Welt des 21. Jahrhunderts unterstreichen.

Die Pressemitteilung fragt in ihrer Überschrift noch alarmierend: "Bricht unsere Gesellschaft auseinander?" Wäre sie faktenorientiert aufgebaut, hätte der erste Satz lauten müssen: "Tut sie nicht." Denn es gibt ja die Famiie und beim guten Kaffee kann einfach über alles gesprochen werden.

Das ist de facto auch das Fazit der ganzen Erhebung: Soziale Systeme definieren und stabilisieren sich durch Kommunikation - oder anders: Es hilft, wenn man miteinander spricht. 60 Prozent der befragten Erwachsenen hilft es zum Beispiel mit jungen Menschen zu sprechen - hoffen wir mal, dass die jungen Menschen den Armen auch antworten... Für völlig hilflose Erwachsene werden dann auch konkrete Einsteigerfragen für den Dialog mit der Jugend vorgeschlagen z.B. "Wie bekommst du deine Lieder aus dem Internet?"

Ebenso banal ist der empirische Nachweiß, dass es eine Jugendkultur gibt, die bei Älternen auf Miss- oder gar Unverständnis stoßen könnte - so als hätte es vor 60 Jahren die Beatles oder Elvis Presley nicht gegeben.

Aber der echter Kracher versteckt sich in der Restmenge der Eltern, die bei der Befragung weder angaben täglich oder mehrmals täglich (50 Prozent) oder zumindest mehrmals pro Woche (36 Prozent) mit ihren Kindern zwischen 14 und 17 Jahre zu reden. Das macht 14 Prozent oder jede siebte Familie, in der nicht einmal pro Woche mit den Kindern gesprochen wird! Was sind denn das für Zustände?

Im Sinne der Transparenz gibt es natürlich noch den vollständigen Berichtsband hinter der Pressemitteilung: Unter jacobskroenung-studie.de lässt sich alles mögliche dazu herunterladen.

Der Blick in den Berichtsband lohnt sich vielleicht, denn wir hatten schon immer geahnt, dass Kinder sich nicht mit ihren Eltern in Social Media vernetzen wollen, aber es fehlte uns eventuell noch die Zahl nebst Belegstelle dazu. Voila: 76 Prozent der Kinder zwischen 14 und 17 Jahren wünschen sich keinen Austausch mit ihren Eltern auf Facebook - jetzt empirisch verweisbar auf S. 17.

Montag, 28. Januar 2013

Alles eine Sache der Definition...

Am Wochenende bin ich völlig ungeplant und unbeabsichtigt bei Twitter in eine Diskussion geraten. Ich fand das sehr postiv, denn ich habe wieder mal gelernt, dass man dort auch mit 140 Zeichen konstruktiv streiten kann und danke allen Beteiligten für das Vergnügen des Austausches.

Da aber 140 Zeichen meistens auch zu wenig sind, folgt hier die Langfassung. Wie immer hat alles ganz harmlos angefangen. Jemand hatte mir das Nachhaltigskeits-"Blog" der WiWo zur Lektüre ans Herz gelegt. Es ist recht nett und professionell gemacht und ich stellte mir öffentlich folgene die Frage

Das Team der GreenWiWo las mit und fragte nach. Ich versuchte, meine Ansicht zu verdeutlichen: "Wenn professionelle Journalisten in verlagseigenen Medien 'bloggen', scheint mir das weit von ursprünglichen Idee entfernt", schrieb ich begab mich mit der Äußerung der "ursprünglichen Idee" scheinbar auf dünneres Eis.

Sebastian Mathes von der WiWo spitzte den kleinen Schlagabtausch zu


Nun waren auch Jochen Mai, Daniel Rettig und Ole Elfenkämper dabei und ich musste mich zusehends präzisieren, denn eigentlich hatte ich ja nichts Böses im Sinn.

An der Uni hatte ich gelernt, dass Definitionen über Ein- und Ausgrenzungen von Phänomenen die halbe Miete des wissenschaftlichen Arbeits sei - ein Credo, dass ich auch in diesem Blog an vielen Stellen verfolge...

Zunächst gilt es zwischen Technik (hier: Trägermedium bzw. Software), Format und Funktion zu trennen. Wenn man das macht, kann man schneller dahinter kommen, was ich meinte. Technisch bedienen sich viele Internet-Angebote Blog ähnlicher Lösungen oder Blog-Derivate. Beiträge können chronologisch veröffentlicht und von den Nutzern kommentiert werden. Die Technik bestimmt bekanntermaßen nicht die Formate und deren Funktionien, denn ansonsten wären das Dschungelcamp und die Tagethemen ein und dieselbe Soße, weil beide im TV laufen. Damit steht zum Ersten fest, dass das, was aussieht wie ein Blog und technisch als Blog umgesetzt wurde, nicht unbedingt ein Blog sein muss.

Nehmen wir noch mal die Wissenschaft zur Hilfe: Ansgar Zerfaß definiert das Blog-Format 2005 als "chronologische und expressive Kommunikation" (S. 32ff), die dafür sorgt, dass Blogs "als besonders authentische und interaktive Alternative zu den traditionellen Internetportalen und den zunehmend standardisierten Massenmedien wahrgenommen werden" (ebd. S. 20).

Hier werden die Felder Format und Funktion angesprochen. Das (Text-) Format eines Blogs ist persönlich und subjektiv und damit im weistesten Sinne dem journalistischen Format des Kommentars vergleichbar. Diese Art der textlichen Aufbereitung steht allen in allen Kanälen offen - so gesehen können natürlich auch profeessionelle Journalisten "bloggen". Dann sind journalistische Blogs eine gute Ergänzung eines redaktionellen Online-Angebotes. Blogs per se müssen nicht objektiv sein - dafür gibt es andere journalistische Formate wie die Nachricht und Bericht. Diese werden nicht durch die Möglichkeit sie Online-Ausgabe des Hamburger Nachrichten-Magazins vermutlich nicht sieht. Damit steht zum Zweiten fest, dass das, was sich liest wie ein Blog, vermutlich ein Blog ist.

Aber das, was ich bei dem Terminus der "ursprünglichen Idee" im Sinne hatte, geht es um die Funktion von Blogs als vermeintlich laienorientierte Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Medien, als Grassroot-Bewegung, die die Demokratisierung öffentlicher Kommunikation durch Egalsierung der Zugangswege ermöglicht. Einem gutgestalteten Blog ist nicht anzusehen, ob hier ein Schüler oder ein Professor, eine Nachbarschaftsvereinigung oder eine politische Partei sich am Diskurs beteiligt. Alles wirkt gleichwertig und alle begegnen sich auf Augenhöhe.

Nicht mehr ganz so egal geht es zu, wenn der Absender durch seine Ausbildung (zum Beispiel als professioneller Journalist) oder seine wirtschaftliche Unabhängigkeit (zum Beispeil als Verlag) in den Dialog als "Blogger" einsteigt. Das hat mich bei Twitter in der Diskussion auch zu folgenden These hinreißen lassen:

Vor diesem Hintegrund wäre ein jounalistisches Online-Angebot, dass sich beim Blog-Format bedient, am ehesten ein "interatives Online-Magazin".

Damit könnte die ganze Geschichte auch beendet sein - vor allem vor dem Hintergrund, dass sich "Green Wiwo" selbst nie als Blog bezeichnet hat. In ihrem Twitter-Profil nennen sich "Nachrichtenportal der "Green Economy":


Aber nach der Twitter-Diskussion am Wochenende wollen sie lieber ein "magazines Blog für die grüne Wirtschaft sein":



Ich muss etwas falsch gemacht haben oder 140 Zeichen waren eben doch nicht genug, um auszudrücken, was ich eigentlich meinte.

Bis hierher waren es nun übrigens 4647 Zeichen.

Wer meint, dass nur Umsetzung und Inhalte zählen und nicht das Etikett, dass man dem Format verleiht und wer diese Begriffsdefinitionen für eher akademisch hält, dem sei gesagt: "Da hast Du recht!"