Freitag, 28. Dezember 2012

Blogparade: Die Zukunft der Online PR ist bunt

Die Diskussion um die Zukunft der Online-PR ist gekennzeichnet durch eine geradezu babylonische Bergriffsverwirrung. Um so dankbarer kann man Ed Wohlfahrt sein, der es mit seinem Aufruf zur "Blogparade Zukunft OnlinePR" geschafft hat, dass sich ein paar Leute aktuell ein bisschen strukturierter und andere eher pragmatisch mit einem meiner immer wiederkehrenden Lieblingsthemen ("Berufsbild Online-PR") auseinandersetzen. Das ist gut so, denn Diskussion und Austausch hilft fast immer.

Dominik Ruisinger ist in soweit zuzustimmen, dass nur die Technik aus den Inhalten der Public Relations Online Public Relations machen - aber in Bezug auf die Frage der Entwicklung und möglichen Emanzipation einer Disziplin kann der Weg nicht das alleinige Ziel sein. Auch das Aufzoomen der Perspektive in Richtung einer gesamtheitlichen "Online-Kommunikation" wie es Thomas Pleil vorschlägt, mag für die Zukunft der Online PR vermutlich tatsächlich zentral werden, aber gegenwärtig hilft es wenig einen Begriff zu erfassen, in dem man einen ganzen Sack voll neuer Begriffe dazu wirft.

Pleils Plädoyer "verbinden statt trennen" kann damit im ersten Schritt nicht gefolgt werden. Die Juristen haben uns bezüglich des Gleichheitsgrundsatzes eine recht brauchbare Formel überlassen, die auch außerhalb der Juristerei ganz hilfreich sein kann: Danach verlange der Gleichheitsgrundsatz, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt werden solle.

Für die Begriffseingrenzung bei der Online PR bedeutet dies, dass Verbindendes integrierend und Trennendes seperieren wirken sollte. Es kann nicht bedeuten, dass man ähnlich Wirkendes bedenkenlos vermanschen und dabei alle Unterschiede ignorieren solllte. Nur weil Technik oder Modus der Kommunikation vergleichbar sind, müssen sich daraus noch keine Gemeinsamkeiten ergeben - Abb. 1 versucht das an einem kleinen Ausschnitt aus dem Begriffsdschungel zu verdeutlichen.


Ich würde sagen, dass es sich bei allen Ausprägungen um "Kommunikation" handelt und allein über die "Technik" differenziert, wären Social Media durchaus Aktivitäten der PR im Rahmen der Online-PR, jedoch über ihren "Modus" als Dialog wären sie eher dem Kundenmanagement zuzusprechen. Bereits hier zeigt sich eine Menge Zündstoff für weitere Diskussionen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die berufliche Praxis keine 'chirugischen Schnitte' dieser Art kennt und stattdessen eine Art 'kontrollierende Drittvariable' ins Spiel kommt, die sich aus dem Thema ergibt. Kommen die Themen aus dem Umfeld der Organisations-Kommunikation macht es sicher Sinn, dass die PR Abteilung diese dann auch in Social Media Kanälen weiter betreut. Geht es um Produkte und Dienstleistungen, dann muss das Marketing ran und wenn es um Bewerber geht, kommen sogar noch Abteilungen zum Zuge, die eigentlich im Kern gar nicht der Kommunikation zugerechnet wurden.

Soviel steht zumindes fest: Online PR hat eine Zukunft und diese Zukunft ist bunt!

Dienstag, 11. Dezember 2012

Internet einfach nicht verstanden

Manchmal denke ich, ich müsste auswanden. Man sollte zwar meinen, dass ein World Wide Web überall das selbe wäre und es daher egal wäre, wo man sich in der Welt aufhält, aber dem ist nicht so. Die Deutschen bzw. die deutsche Politik haben das Internet nie verstanden. Das zeigt sich an einer Reihe wirrer und irriger Gesetzgebungsvorhaben bzw. Verordnungen wie zum Beispiel die Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrechten und GEZ-Rundfunkgebühren für die Internet-Nutzung.

Diese Dinge empfinde ich als regelrecht beschämend. Aber Auswandern ist keine Lösung, wenn man sieht, dass andere Major-Player der Online-Champignonsleague Internet scheinbar auch nicht verstanden haben. Vorneweg der Online-Buchhändler aus Seattle und der grüne Kaffeeriese aus der selben Stadt, der das passende Getränk für die "Generation Internet" anbietet.

Starbucks hat es nun auch endlich geschafft in Deutschland ein Vieltrinker-Programm mit Rabattierungen anzubieten - etwas, worauf die Kaffee-Jünger schon lange gewartet haben und was sich bei den hohen Preisen als Instrument der Kundenbindung auch wie von selbst anbieten sollte. "My Starbucks Rewards" läuft trotz seines international klingenden Namens nur in Deutschland - was ich bei einer international operierenden Kette nur als "Fail" bezeichnen kann.

Wir reisen gerne und wir wissen in diesem Zuge Globalisierung zu schätzen, wenn wir in London, Tokyo, New York und Düsseldorf den gleichen Kaffee bekommen können. Wenn wir unterwegs sind, kehren wir auch häufiger in den Filialen mit der weißen Sirene im grünen Logo ein. Aber Sternchen gibt es nur in Deutschland - andere Länder haben andere Programme. Das ist blöd und Starbucks sollte aus seiner weltweiten Aufstellung Marktvorteile ziehen.

Das habe ich denen auch geschrieben - aber geantwortet haben sie natürlich nicht:


Das hat jetzt erstmal nicht unbedingt was mit dem Internet zu tun, führt mich aber direkt zu dem anderen Unternehmen aus Seattle, das Globalisierung trotz weltweit marktbeherrschender Stellung auch nicht verstanden hat: Online kann ich bei Amazon Deutschland und Amazon USA bestellen, beide rechnen mit mir ab und beide senden mir ihre Waren. Dafür braucht man aber zwei Online-Konten bei identischen Unternehmen - eines bei amazon.com und eines bei amazon.de. Beide haben bei mir das selbe Login und das selbe Passwort, aber Amazon schafft es nicht (oder will es nicht? oder darf es mich?) mich als einen Kunden mit einer Wunschliste, einer Bestell-Historie und einer Kindle-Verwaltung zu führen. Das nervt und das ist für mich ein klarer Fall von "Internet einfach nicht verstanden". Und wenn diese Art der doppelten Haushaltsführung einen zwingenden Grund haben sollte, dann sollte der klarer kommuniziert werden.

Nachtrag (03. Januar 2013):

Inzwischen habe ich von Starbucks eine Rückmeldung bekommen. Ich möchte diese natürlich niemanden vorenthalten, denn es gibt offensichtlich trifftige Gründe, warum die "Starbucks Rewards" Programm nur deutschlandweit angeboten wird. Es gehört zur gegebenen Fairness, nicht einfach nur auf andere draufzuhauen, sondern sie mit Erklärungen zu Wort kommen zu lassen:

"Aufgrund bankenrechtlicher Bestimmungen ist ein Einsatz der Starbucks Card aus Deutschland nur in Coffee Houses möglich, die von der Starbucks Coffee Deutschland GmbH betrieben werden. Dies verhindert dann in der Konsequenz auch das Sammeln von Sternen außerhalb der Grenzen Deutschlands."

Schade, aber dann eben nicht "hausgemacht".