Sonntag, 21. September 2014

Blogparade: Das Zeitungs-Erlebnis meiner Kindheit - Vom Neben- zum Hauptdasteller

Lustig eine Blogparade loszutreten ist das eine - den eigenen Beitrag dafür zu liefern das andere. Das Thema Zeitung fand ich schon immer spannend und mein Lebensweg kam immer wieder mit der Presse in Berührung.

Die erste Begegnung mit namentlicher Nennung erfolgte im Sommer 1976: Als siebenjährige "Glücksgöttin" zog ich die Gewinner des Sommer-Rätsels meiner heimatlichen Kleinstadt. Dafür gab's vom Bürgermeister nachher ein "Was-ist-was"-Buch ("Urzeit-Tiere" - das mit dem Säbelzahntiger vorne drauf) zur Belohnung. Der Hauptgewinner bekam ein Fahrrad und viele Kinder andere Schallplatten-Gutscheine. Erst jetzt beim Lesen der Gewinnerliste ist mir aufgefallen, dass drei der damalig Gezogenen später auf dem Gymnasium meine Klassenkameraden wurden - das sollte ich denen mal im Nachgang erzählen!


1976: Das erste Mal in der Zeitung
Aber eigentlich war ich damals nur eine "Nebenfigur". Im Orwell Jahr 1984 - also acht Jahre später - hatte ich es zum "Hauptdarsteller" einer Zeitungsmeldung geschafft: In einem Schüler-Wettbewerb der niedersächischen Landesregierung hatte ich eine Berlin-Flug gewonnen.

Bemerkenswert ist, dass sowohl in der Überschrift als auch im Fließtext mein Nachname falsch geschrieben wurde. Und fast noch bemerkenswerter: In der Bildunterschrift wird der Familienname in einer anderen Variation falsch geschrieben. Das zeigt, dass sich niemand darum gekümmert bzw. dafür interessiert hat. Qualitätsjournalismus war schon immer ein Mythos.

Nun will ich nicht 30 Jahre später deswegen die beleidigte Leberwurst spielen. Es geht mir viel mehr um ein zetrales Schlüsselerlebnis, das ich mit dem Erscheinen des Artikels und der damit verbundenen, zeitlich begrenzten Bekanntheit im Kleinstädtchen verbinde: Es war meine erste konstruktivistische Medien-Erfahrung.


1984: Als "Hauptpreisträger" in der Zeitung
Der Artikel beschreibt eigentlich, wofür es die Preise der niedersächsichen Landesregierung gab: Beim Wettbewerb "Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" waren die Schüler des Landes aufgerufen, Aufsätze, Bilder, Wandzeitungen etc. zum Themenfeld einzureichen. Man konnte aber auch einen dösigen Multiple-Choice-Fragebogen ankreuzen.

Was der Artikel jedoch nicht sagt, ist wofür "Stefan Balksz" als "einer der Hauptpreisträger" seinen Hauptpreis erhalten hat. Was meint ihr? Für einen persönlichen, emotionalen Aufsatz über meine Großmutter, die aus Wien stammend den Großteil ihres Lebens in Ungarn verbrachte? Für eine Kohlezeichnung, die die Spaltung Europas aufs Dramatischste versinnbildlichte? Oder für eine Wandzeitung, die die Wirtschaftzahlens des damaligen Warschauer Paktes mit Westeuropa verglich? Oder bin ich unter den 7866 Preisauschreiben-Teilnehmer einfach nur ausgelost wurden? Vielleicht von einer anderen männlichen Glücksfee?

Diese Informationslücke ließ konstruktivistischen Erklärungsmustern in meinem damaligen Umfeld ausreichend Raum. Wenn meine Eltern angesprochen wurden, haben sie meine Leistung ähnlich nebulös belassen wie in dem Artikel. Es ist schon interessant, was einem die Menschen alles so zutrauen.

Und noch etwas habe ich beim Stöbern in den alten Zeitungsausschnitten gelernt: Es ist höchste Zeit diese alle mal einzuscannen, bevor der Zahn der Zeit síe gänzlich aufnagt.

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